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Uhr tickt für den Wildpark Weißewarte: „Die Sache nicht zerreden“

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Von: Christian Wohlt

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In einem großen Sitzungssaal sitzen zahlreiche Kommunalpolitiker und heben zu einer Abstimmung die Hände.
Tangerhüttes Stadtrat segnete vorgestern Abend die Gründung der Betreibergesellschaft für den Wildpark Weißewarte mit deutlicher Mehrheit ab. Kritikern zufolge viel zu spät, denn inzwischen wird die Zeit für die Rettung knapp. © ct-press (Christian Wohlt)

Die Uhr tickt für den Wildpark Weißewarte: In zwei Monaten droht laut einer Ankündigung des Landkreises Stendal die endgültige Schließung der Anlage, wenn bis dahin entscheidende Auflagen nicht erfüllt sind. Schon ab Februar bleiben voraussichtlich die Tore für Besucher geschlossen.

Tangerhütte/Stendal – Im Stadtrat Tangerhütte war das am Mittwochabend kein Thema. Dort wurde nun endlich die Gründung einer gemeinnützigen Betreibergesellschaft auf den Weg gebracht. Das ist aber nur ein Schritt zur Rettung des Parks.

Ein Hirsch und zwei Rehe stehen hinter einem Gatter und schauen den Betrachter traurig an.
Sie dürfen leider erst wieder Besuch empfangen, wenn die Tangerhütter Stadtväter endlich ihre „Hausaufgaben“ gemacht haben. © ct-press (Christian Wohlt)

Bisher seien nicht alle Unterlagen erstellt und eingereicht worden, die zur Erteilung einer Zoogenehmigung unverzichtbar sind, teilt Landrat Patrick Puhlmann (SPD) mit. Es habe sich zwar viel Gutes seit der Übernahme durch den Förderverein Ende Dezember getan, wichtige Punkte seien aber noch nicht abgearbeitet. Zudem bestehe keine Klarheit über die künftige Trägerstruktur. „Eine gemeinnützige GmbH wurde bereits im November diskutiert. Allerdings liegt bis zum heutigen Tage kein endgültiger Beschluss des Stadtrates Tangerhütte vor“, so Puhlmann am Mittwochnachmittag. In den vergangenen Monaten war der Wildpark dort immer wieder Thema gewesen. Trotz der dramatischen Entwicklung sah man nun aber offensichtlich keinen Grund zu besonderer Eile. Statt die Gründung der Gesellschaft in einer ursprünglich für Anfang Januar geplanten Sondersitzung endgültig auf den Weg zu bringen, befasste sich das Gremium erst auf der regulären Zusammenkunft am Mittwochabendabend damit. Und redete und redete. Die kurz zuvor durch den Landkreis angedrohte mögliche Schließung wurde dabei mit keinem Wort erwähnt.

Eine junge Frau mit Pferdeschwanz, Brille und schwarz-weiß geringeltem Pulli steht an einem Rednerpult mit Mikrofon und erläutert einen Sachverhalt.
Amtsleiterin Kathleen Altmann stellte den Gesellschaftervertrag im Tangerhütter Stadtrat noch einmal vor und beantwortete zahlreiche Detailfragen. © ct-press (Christian Wohlt)

Es ging um den Gesellschaftervertrag für die neue Betreibergesellschaft, die ursprünglich schon zum 1. Februar die Arbeit aufnehmen sollte. Das ist inzwischen illusorisch, weil noch eine Reihe juristischer Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Amtsleiterin Kathleen Altmann stellte das zuvor bereits ausgiebig besprochene Papier noch einmal vor. Zahlreiche Detailfragen von einigen Stadträten drohten die Diskussion zu verzetteln. Fragen nach der Zusammensetzung des Aufsichtsrates, einem möglichen Defizitausgleich und der Eigentumsübergabe im Falle der Auflösung hätten wohl längst geklärt sein können. Selbst über den Namen „Wildpark Weißewarte gGmbH“ wurde noch diskutiert. „Wir sprechen schon über das Ende der Gesellschaft, bevor sie überhaupt gegründet ist“, platzte Ralf-Peter Bierstedt (SPD) schließlich der Kragen. „Ich sehe die Gefahr, dass wir die Sache zerreden“, forderte Michael Bartoschewski (CDU) dazu auf, endlich auf den Punkt zu kommen. Der Vertragsentwurf wurde schließlich mit zahlreichen Ergänzungen zu einzelnen Punkten mit deutlicher Mehrheit gebilligt.

Eine Holztafel mit der Aufschrift „Wildpark Weißewarte“ und zwei Wappen begrüßt die Besucher im Eingangsbereich einer Zooanlage.
Diese ausgesprochen einladend wirkende Holztafel darf nicht darüber hinwegtäuschen: Hinsichtlich der Wildpark-Rettung ist „die Kuh noch längst nicht vom Eis“. © ct-press (Christian Wohlt)

Die Gesellschaft soll nach jetzigen Vorstellungen zum 1. April die Arbeit aufnehmen. Bis dahin soll der Förderverein weiterhin die Anlage bewirtschaften und an der Umsetzung der Auflagen des Landkreises für die Erteilung einer Zoogenehmigung arbeiten. Gelingt das nicht, ist der Wildpark Weißewarte zum 1. April Geschichte.

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