Posten für Vize-Einheitsgemeindebürgermeister neu zu besetzen

Tangerhütter Stadtrat quält sich mit der Stellvertreter-Wahl

+
Während Claudia Wittke (l.) und Kathleen Altmann die Sitzung verfolgten, war die „Überraschungskandidatin“ nicht dabei.

Tangerhütte – Wer die Wahl hat, hat die Qual. Im Tangerhütter Stadtrat hat der alte Spruch eine andere Bedeutung als gewöhnlich, wie sich bei der jüngsten Sitzung erneut herausgestellt hat.

Als es um die Bestimmung zweier neuer Stellvertreter für Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) ging, hatten die Mitglieder des Gremiums zwar keine große Auswahl, dafür quälten sie sich mit dem Wahlvorgang.

Hintergrund: Der bisherige erste Stellvertreter des Verwaltungschefs, Bauamtsleiter Erich Gruber, geht demnächst in den Ruhestand und auch die zweite Stellvertreterin, Kämmerin Angelika Bierstedt, steht nicht mehr zur Verfügung. Die Posten müssen daher neu besetzt werden. Üblicherweise üben Verwaltungsmitarbeiter diese Funktionen aus.

Brohm schlug Hauptamtsleiterin Kathleen Altmann (1. Stellvertreterin) und Ordnungsamtsleiterin Claudia Wittke (2.) vor. Andernorts ist die Bestätigung eine Formsache, die im Stadtrat meist sang- und klanglos über die Bühne geht. Nicht so in Tangerhütte.

Während die notwendige Abwahl der bisherigen Stellvertreter in offener Abstimmung recht zügig über die Bühne ging, gestaltete sich die Neuwahl kompliziert und langwierig. Zwar wäre auch hier eine offene Abstimmung möglich gewesen, laut Geschäftsordnung aber nur, wenn alle Stadträte damit einverstanden sind. Wolfgang Kinszorra (SPD) war es nicht und so wurde geheim gewählt. Das erforderte zunächst die Bestimmung eines Wahlleiters und seiner Helfer. Eine Wahlurne stand (vorsorglich) bereits bereit. Als Wahllokal fungierte ein Nebenraum. Nach knapp 20 Minuten wurde das Ergebnis verkündet: Altmann erhielt mit 20 Ja-Stimmen das Vertrauen der 26 anwesenden Stadträte.

Kinszorra monierte, dass es bei nur einer Kandidatin keine wirkliche demokratische Auswahl gebe. „Du kannst doch jemand anderen vorschlagen“, rief ihm Wolfgang März (Linke), sichtlich genervt, zu. Das tat der auch prompt. Für den zweiten Stellvertreterposten nominierte Kinszorra zusätzlich eine weitere Verwaltungsmitarbeiterin. Die wusste davon aber nichts. Das Problem: Da die „Überraschungskandidatin“ nicht anwesend war, konnte sie auch nicht bestätigen, ob sie überhaupt antreten will. Verwirrung im Raum. Was tun? Anrufen? Sie in die Sitzung zitieren? Es war schon gegen 21 Uhr.

Dem Vorschlag von Edith Braun (WG Lüderitz), die Wahl zu verschieben, schloss sich die Mehrheit des Gremiums an, nicht ohne vorher noch einmal das Für und Wider ausgiebig zu diskutieren. Es standen noch weitere Tagungsordnungspunkte an. Nach dem öffentlichen Teil ging die Sitzung nach 22 Uhr nicht öffentlich weiter.

VON CHRISTIAN WOHLT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare