Skizze für den Anstoß / Bürgermeister sehen klares erstes Votum

Tangerhütte: Neue Chance für Industriehallen

Eine Wand der alten Geißerei in Tangerhütte.
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Um die noch stehenden Gebäudeteile zu sichern, gibt es mehrere verschiedene Lösungsvorschläge.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Es gibt einen neuen Anstoß für die mittlerweile deutlich baufälligen Industriehallen, die Tangerhütte zu seinem Namen gebracht haben. In einem ersten Info-Gespräch wurde ein Abriss von den Bürgern abgelehnt. 

Tangerhütte – „Eine einfache Industriehalle kann man überall hinstellen“, erklärte Andreas Brohm, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte, während der Diskussionen um eine mögliche Zukunft der alten Industriehallen. „Aber so etwas, gibt es nur in Tangerhütte.“

Die Hallen der ehemaligen Hüttenindustrie, die Tangerhütte auch seinen Namen gegeben haben, sind in keinem guten Zustand. Das bescheinigen sowohl der Verein „Aus einem Guss“ als auch mehrere der interessierten Bürger, die an dem Infoabend, zu dem Ortsbürgermeister Gerhard Borstell eingeladen hatte, teilnahmen. Die wichtigste Frage, die dabei zu klären sei, so Brohm, ist: „Was wollen wir eigentlich?“ Theoretisch sei auch ein Abriss möglich. Dann stünde damit Platz zur Verfügung, um ein reguläres Industrie- oder Gewerbegebiet zu schaffen. Jedoch gelten die derzeit noch stehenden Gebäudeteile als erhaltenswert. Ebenso wie für einen Abriss stehen auch für Wiederherstellungen oder Mischformen Fördermittel in Höhe von 90 Prozent im Raum.

Eine, anhand von Beifall und Wortmeldungen geschätzte große Mehrheit der 30 Zuhörer, machte sich für einen Erhalt der Hallen stark. Während einige der Teilnehmer die Auffassung vertraten, dass zunächst angefangen werden müsse, um zu retten, was noch zu retten ist, erntete ein weiterführender Plan des Vereins „Aus einem Guss“ am meisten Beifall. Das Konzept besteht bereits seit 2017 und sieht vor, dass die historische Gießerei mehrfach genutzt wird. Während Teile des Ensembles für gewerbliche Nutzung eingerichtet werden könnten, soll auch eine Veranstaltungshalle entstehen. Hinzukommen sollen zwei Ausstellungsbereiche. Zum einen einer, der sich mit der Eisengießerei allgemein beschäftigt. Aber auch ein besonderes, noch teilweise erhaltenes, Schmuckstück soll betont werden. In einem achteckigen Raum soll der Hochofen ausgestellt werden. Möglich wäre die Trägerschaft des neuen Objektes in einer Bürger-Genossenschaft. 2017 wurden die Kosten auf rund 5,8 Millionen Euro geschätzt, erklärte Diplom-Ingenieur Jan Baulitz, der das Projekt gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden Dr. Frank Dreihaupt vorstellte. Bei 5800 Quadratmetern Nutzfläche bedeutete dies einen Einsatz von 1000 Euro pro Quadratmeter. Mittlerweile seien die Kosten gestiegen und lägen sicherlich bei 1500 Euro pro Quadratmeter. Aber auch das sei, in Relation zu Baupreisen in Berlin, noch relativ überschaubar.

Eine endgültige Entscheidung könne an dem Informationsabend natürlich nicht getroffen werden. Die Aufgabe, über eine mögliche Fördermittelbeantragung abzustimmen, stehen dem Ortschaftsrat am 14. November und dem Stadtrat der Einheitsgemeinde am 8. Dezember zu. Der Plan, ein erstes Meinungsbild der Bevölkerung einzuholen, war nach Auffassung von Brohm und Borstell geglückt. Beide deuteten die getätigten Äußerungen als mehrheitliches Interesse daran, den vorgestellten Plan in Form einer Bürger-Genossenschaft umzusetzen. Verloren sei mit dem Vorgang jedoch nichts. Zunächst werden keine Geldmittel benötigt – und auch die anderen Varianten oder eine Kombination würden damit nicht verhindert.

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