Strom vom Kuhstall-Dach

Sonniges Tangerland soll ein Zentrum der Solarenergieerzeugung werden

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Fotovoltaik-Panele auf einem Scheunendach – die Zukunft im sonnigen Tangerland?

Tangerhütte. In der Einheitsgemeinde Tangerhütte fließt Strom vom Kuhstall-Dach. Die Solarkraft Tangerland GmbH (STL) will weitere Dachflächen auf landwirtschaftlich genutzten Gebäuden zur Stromerzeugung mittels Fotovoltaik-Anlagen nutzen.

Acht Standorte in der Region sind dafür bisher vorgesehen. Die Gesamtleistung soll 3,8 Megawatt betragen, was für die Versorgung von knapp 1370 Haushalten reicht.

Das von 20 Privatpersonen gegründete Unternehmen sucht nun durch sogenanntes Crowdfunding (Gruppenfinanzierung) weitere Investoren, die sich mit Beträgen zwischen 250 bis 10.000 Euro an den Projekten beteiligen. Angesprochen sind insbesondere Bürger aus der Region. Über die Laufzeit von zehn Jahren wird eine überdurchschnittliche Rendite versprochen.

Als erstes Projekt ging bereits eine 189 Kilowatt-Anlage auf einer Lager- und Getreidehalle in Polte in Betrieb. In Birkholz ist der ehemalige Milchviehstall mit einer 99 Kilowatt-Anlage bestückt. Sandfurth, Uetz, Grieben, Cobbel und Ringfuth stehen ebenfalls auf der Investitionsliste. In Schernebeck wird derzeit am ersten Bauabschnitt (499 Kilowatt) gearbeitet. Ein zweiter mit der gleichen Leistung soll im nächsten Jahr ans Netz gehen.

„Wir bauen keine Insellösungen“, stellt STL-Gesellschafter Marcus Biermann klar. Die Anlagen sind an das allgemeine Stromnetz angeschlossen, profitieren so 20 Jahre lang von der sogenannten Einspeisevergütung. Andererseits fließt Strom auch dann zu den Abnehmern, wenn mal längere Zeit nicht die Sonne scheint. Das komme aber in der Region recht selten vor. Biermann und der zweite Gesellschafter Christian Warnke schwärmen vom „sonnigen Tangerland“.

Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm (parteilos) ist vom Projekt begeistert und denkt schon weiter. Dort, wo Energie produziert wird, siedeln sich energieintensive Firmen an, meint er. Mit seiner Idee, die neue Tesla-Megafabrik für Elektroautos in die Region zu holen, machte er erst kürzlich von sich reden (AZ berichtete). Für das Stadtoberhaupt sind perspektivisch auch kommunale Dächer für die Stromerzeugung interessant. Auf dem Rathaus, auf Schulen und Dorfgemeinschaftshäusern sieht noch reichlich Potenzial.

Von Christian Wohlt

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