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Neuer Pächter als letzte Chance

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Von: Christian Wohlt

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Ohne die benötigte Zoogenehmigung wird der Tierpark Weißewarte voraussichtlich schon am Mittwoch, 26. Oktober seine Pforten schließen müssen.
Ohne die benötigte Zoogenehmigung wird der Tierpark Weißewarte voraussichtlich schon am Mittwoch, 26. Oktober seine Pforten schließen müssen. © Christian Wohlt

Der Wildpark Weißewarte soll endgültig geschlossen werden. Dafür machte der Stadtrat der Einheitsgemeinde Tangerhütte in einer Sondersitzung am Montagabend einstimmig den Weg frei. Den 16 anwesenden Stadträten war die persönliche Betroffenheit über diese Entscheidung anzusehen.

Weißewarte – „Der Wildpark gehört zu Tangerhütte und das soll auch so bleiben“, sagte Marcus Graubner (CDU). Wie er hat auch Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) noch ein Fünkchen Hoffnung, dass es mit der Einrichtung doch weiter geht. Ein Hintertürchen dafür bleibt offen. Der Stadtrat beschloss die Schließung, wenn eine Ausschreibung nicht bis zum 10. November einen neuen Pächter für die Anlage findet, mit dem bis zum 14. November ein Pachtvertrag vereinbart werden kann. Denkbar wäre die Schaffung eines Freizeitparks mit kleinem Tiergehege, das keine Zoogenehmigung benötigt.

Frank Dreihaupt (Unabhängige Wählergemeinschaft Südliche Altmark) erinnerte daran, dass eine Privatisierung an gleicher Stelle bereits vor zwei Jahren diskutiert worden war. Der Stadtrat sprach sich damals mehrheitlich dafür aus, dass die Anlage unbedingt in kommunaler Hand bleiben soll. Zuerst übernahm ein Betreiberverein die Bewirtschaftung. Das scheiterte. Dann wurde eigens eine kommunale Gesellschaft gegründet. Die Stimmung hat sich gewandelt. Wenn jemand den Park haben will, bekäme er den sogar geschenkt, ließ Stadträtin Edith Braun (Wählergemeinschaft Lüderitz) am Rande der Sitzung durchblicken. „Wir stehen vor dem Scherbenhaufen unseres Handels“, sagte der Bürgermeister.

In der Sitzung wurden auch Schuldzuweisungen laut. Besonders der plötzliche Abgang der Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft (AZ berichtete) sorgte für Kritik. Die Stadt hatte der gemeinnützigen Gesellschaft für dieses Jahr eine Anschubfinanzierung in Höhe von 100 000 Euro gewährt. Das Geld ist aber bereits aufgebraucht, ein weiterer Zuschuss durch die finanziell klamme Kommune nicht möglich. Wofür die Summe „verbraten“ wurde, wollte Peter Jagolski (SPD) wissen. Viele Fragen seien noch offen, sagte er.

Sollte sich kein neuer Betreiber finden, wird der Wildpark geschlossen. Damit ist ein Insolvenzantrag für die Betreibergesellschaft verbunden. Die Anlage fällt zurück an die Einheitsgemeinde Tangerhütte, die sich um die Abwicklung und die Auflösung des Tierbestandes kümmern muss. Das dauert etwa ein Jahr und kostet, laut Kalkulation der Verwaltung, noch einmal 105 000 Euro. Für Besucher wird die Anlage dann nicht mehr zugänglich sein.

Da auch die beiden ausgebildeten Tierpfleger gekündigt haben, sind die Voraussetzungen für die Zoogenehmigung mit ihrem Weggang nicht mehr gegeben. Daher schließt der Wildpark Weißewarte voraussichtlich schon am Mittwoch, 26. Oktober, seine Pforten.

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