Cont-Trans will keine Präzedenzfälle

Harte Fronten um Abholung: Spurensuche an der Tonne

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Die Cont-Trans GmbH steht regelmäßig in der Kritik der Kunden. Oft wird mit harten Bandagen gekämpft.

Tangerhütte. Eine nicht geleerte gelbe Tonne, ein Anruf – und die Konfrontation ist da. Klagen gegen die Cont-Trans Entsorgungs GmbH gibt es seit Monaten viele, und bisweilen sind die Fronten verhärtet. Wie in einem neuen Fall in Tangerhütte.

Dort klagte Marco Gebser über eine nicht geleerte Tonne, und der Projektleiter des Entsorgungsunternehmens, Norman Mattke, ging buchstäblich auf Spurensuche.

Die Ausgangslage: Marco Gebser, wohnhaft in der Otto-Nuschke-Straße, sagt, seine Tonne habe am Abend des 29. Dezember an der Straße gestanden – für den Abholungstermin am 30. Dezember. Ein Nachbar bezeugt das gegenüber der AZ. Am 30. ist seine Tonne noch voll. Gebser ruft bei Cont-Trans an und beschwert sich. Man sehe sich die Sache an, so eine Erwiderung des Unternehmens. Anschließend sieht Gebser, wie Norman Mattke selbst sich die Lage seiner Tonne vor Gebsers Haus ansieht. Danach ein Anruf: Anhand der Schiebe-Spuren der Tonne, so soll Mattke gesagt haben, habe dieser geschlossen, dass die Tonne nicht rechtzeitig an der Straße gestanden haben kann. Es wird nicht nachgebessert. „Es ist eine Frechheit, mit solchen Argumenten zu kommen“, meint Gebser. Dass der Projektleiter so weit geht, selbst in Pfadfindermanier die Tonnen zu untersuchen, um seine Haltung zu stützen, hält er für geradezu bizarr, einen Witz für ein Unternehmen, das bei gegensätzlichen Aussagen auch kulant hätte reagieren können.

Mattke bestätigt im AZ-Gespräch, dass er auf Spurensuche gegangen ist. Die Stellung von Biotonne und Gelber Tonne habe nahegelegt, dass die Gelbe Tonne erst am 30.12. zur Biotonne hinzu gestellt worden sei. Bizarr findet er es nicht, dass er so genau nachprüft, wer nun Recht hat und wer nicht. Er war sich schon vorher zu 99 Prozent sicher, wie er es sagt, dass die Tonne nicht stand, wo sie hätte stehen sollen.

Die exponierte Lage der Tonne und die Sicherheit, mit der der entsprechende Fahrer gesagt habe, dass die Tonne nicht da gewesen war, sei überzeugend. „Vielleicht haben wir ihm trotzdem Unrecht getan“, räumt er eine Restmöglichkeit ein, dass man sich im Unternehmen getäuscht habe.

Die Gleichung gehe – verkürzt zusammengefasst – etwa so: Cont-Trans gilt durch viel Kritik als angezählt. Wenn sich in dieser Situation durch leichtfertige Kulanz die Einstellung „Wer nur mault, gewinnt“ breit macht, gerate Cont-Trans in eine bedenklich schwache Position.

Und so kommt es, dass der Entsorgungsleiter selbst zum Spurenlesen ausrückt. Und Marco Gebser sich über das aus seiner Sicht bizarre Argument ärgert. Die Fronten sind hart, wenn es um die Gelbe Tonne im Landkreis Stendal geht.

Von Kai Hasse

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