Hauptsache nicht bei Amazon

Spielwarenladen mit Eiscafé in Tangerhütte: Familie Lobbes erfindet sich neu

In neuer Rolle: Sabine Lobbes steht künftig hinter der Eis-Theke, während ihr Mann weiterhin das Kerngeschäft mit Spiel- und Schreibwaren führt.
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In neuer Rolle: Sabine Lobbes steht künftig hinter der Eis-Theke, während ihr Mann weiterhin das Kerngeschäft mit Spiel- und Schreibwaren führt.

Tangerhütte – „Es sollte etwas sein, das es nicht bei Amazon zu kaufen gibt“, sagt Dirk Lobbes und kann sich dabei ein leichtes sarkastisches Lächeln nicht verkneifen. In Tangerhütte sind er und seine Frau eine Institution.

Das Ehepaar betreibt am Rande der Stadt einen Spiel- und Schreibwarenladen und hat sein Angebot unlängst erweitert – um ein Eiscafé.

Die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet habe diesen Schritt nötig gemacht, erklärt Dirk Lobbes. Spielwaren besorgen sich die Leute heutzutage schließlich bei Amazon, Ebay oder auf anderen Portalen. Ein Lottoschein lässt sich ebenso unkompliziert online ausfüllen und auch für Fußball-Wetten kommen nur noch die wenigsten Kunden zu Lobbes an den Tresen. Es war also an der Zeit, Lösungen zu finden, kreativ zu werden und so wuchs bei Dirk und Sabine Lobbes die Idee heran, den Schritt in den gastronomischen Bereich zu wagen. Dirk schwebte dabei ein Imbiss vor, seine Frau lehnte ab. Der Kompromiss der Eheleute entfiel auf ein Eiscafé, das nun bereits seit knapp anderthalb Monaten geöffnet ist.

Der Weg dorthin gestaltete sich alles andere als unkompliziert. Wenn, dann wollten sie es richtig angehen. Mit selbst hergestelltem Eis. „Alles andere können sich die Leute schließlich im Supermarkt kaufen“, erklärt Dirk Lobbes, der folgerichtig einen einwöchigen Lehrgang zum Thema Eis-Herstellung absolvierte. Die handwerklichen Fähigkeiten waren erlernt, was blieb, war die Arbeit an den Rahmenbedingungen. Das Ehepaar verkleinerte den Spiel- und Schreibwarenladen, zog Trockenbauwände ein und gestaltete sich sein eigenes kleines Eiscafé. Mehr als eine Handvoll Tische und Stühle bietet der Laden allerdings Corona-bedingt noch nicht. Die Pandemie hat den Start des neuen Lobbes-Angebots spürbar erschwert. Doch die Eheleute nehmen es gelassen.

Es sei schließlich nicht die erste Krise, die sie in ihrem Geschäftsleben bewältigen müssen. Dirk Lobbes begann einst als Korbmachermeister, musste nach der Wende aber der Billig-Konkurrenz aus Asien klein beigeben. Es folgte die Eröffnung des Spiel- und Schreibwarenladens. Und nun das neue Eiscafé. „Irgendein schlauer Mensch hat mal gesagt, das Leben ist Veränderung. Und so ist es auch“, kommentiert Dirk Lobbes trocken.

Die Veränderungen in ihrem Geschäft kommen auf jeden Fall gut an. „Die Kunden sagen, es hat sich gelohnt“, berichtet Sabine Lobbes stolz. Während ihr Mann weiterhin im Spiel- und Schreibwarenbereich des Geschäfts den Laden schmeißt, kümmert sie sich um den Eisverkauf. Der Aufwand für das Ehepaar – gerade in der Anfangszeit – sei schon enorm, berichten sie unisono. Schließlich müsse das Eis außerhalb der Öffnungszeiten hergestellt werden. Außerdem haben Lobbes’ mit ihrem Eiscafé jetzt auch sonntags geöffnet – bis dato der einzige freie Wochentag des Ehepaars, das künftig am Montag kürzertreten möchte. „Im Moment ist es schon heftig“, gibt Sabine Lobbes zu.

Nach den ersten sechs Monaten, wenn die ersten belastbaren Zahlen vorliegen, entscheidet das Ehepaar, wie es weitergeht. Im Idealfall sollen dann Aushilfskräfte für etwas Entlastung sorgen. Und auch das Eiscafé samt Außenbereich soll dann noch liebevoller gestaltet werden. Aktuell gehe es aber nur darum, den Eisverkauf ins Rollen zu bringen. „Ich muss sagen, die Mundpropaganda funktioniert langsam“, berichtet Sabine Lobbes von einer stetig steigenden Nachfrage, speziell an den Wochenenden.

Die ersten sechs Wochen haben dem Ehepaar Lobbes ein gutes Bauchgefühl für ihr neues Projekt gegeben. Das Feedback der Kunden stimmt zuversichtlich. Und das Beste: Eis aus eigener Herstellung lässt sich bislang noch immer nicht auf Amazon oder Ebay finden. VON TOBIAS HAACK

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