Photovoltaik-Anlage liegt seit November brach / Leitung wird von E.on Avacon ausgebaut

Sonnen-Energie bleibt ungenutzt

Bernd Schreiber zeigt auf das Dach seiner Scheune in Windberge. Knapp 190 Quadratmeter der Fläche sind mit den Photovoltaik-Modulen bedeckt. Doch die Anlage speist keine Energie ins Netz ein. Die Leitungen der E.on Avacon müssen erst von einer Freileitung auf ein größeres Erdkabel erweitert werden. Foto: Wagner

Windberge. „Nachdem Deutschland sich für den Atomausstieg entschieden hat, wollte ich einen Beitrag leisten und zeigen, dass es auch anders geht“, erklärt Bernd Schreiber. Auf Anraten seiner Ehefrau und seiner Kinder entschloss er sich für den Bau einer Photovoltaik-Anlage.

Eine passende Stelle war für den Bonner auch schnell gefunden. Denn die Dachfläche einer Scheune auf seinem Windberger Gehöft zeigt passender Weise nach Süden. „Aber das nun alles so kommt, finde ich natürlich nicht schön, die Anlage liegt brach“, erzählt Schreiber.

Im August 2011 stand sein Entschluss zum Bau der Anlage fest, er holte die entsprechenden Angebote bei einem Dachdecker und einer Elektrofirma aus dem Nachbardorf Groß Schwarzlosen ein. Auch die Finanzierung war schnell mit der Bank geklärt. Schließlich sollte sich die Anlage selbst tragen, dass heißt, die gewonnene Energie sollte komplett in das Netz der E.on Avacon eingespeist werden. „Eine tolle Sache. Bei einem Fördersatz von 28 Cent pro Kilowattstunde amortisiert sich die Anlage bereits innerhalb von zehn Jahren“, erklärt Schreiber seinen Entschluss zum Bau.

Anfang November war es dann soweit, der Dachdecker setzte die 126 Module auf die Scheune und der Elektriker bereitete alles für den Anschluss vor. Doch es fließt kein Strom. Mit Schreiben vom 23. November teilte der Energieriese. Schreiber mit, dass für den Anschluss seiner Photovoltaik-Anlage an das Versorgungsnetz erst noch eine umfangreiche Netzverstärkung nötig ist. „Daher kann eine Einspeisung erst nach Fertigstellung der Netzausbaumaßnahme erfolgen. Die Baumaßnahmen werden voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2012 beginnen“, liest Schreiber die Mitteilung der E.on Avacon vor. Er kann einfach nicht nachvollziehen, warum ihm dieser Umstand nicht im Vorfeld mitgeteilt wurde, hätte er doch dann mit dem Bau der Anlage noch gewartet. Anfang Dezember erkundigte er sich, wann er mit einem Anschluss rechnen kann, doch bis heute bekam er keine Antwort.

Schreiber schüttelt den Kopf: „Ich weiß nicht, wann ich nun endlich einspeisen kann, aber meine Garantiezeit von 20 Jahren läuft jetzt schon.“ Doch nicht nur, dass er keine Energie absetzen kann. Mit dem Betreiben einer Photovoltaik-Anlage gelangt man automatisch in den Status eines Kleinunternehmers, kann sich also die bereits gezahlte Mehrwertsteuer der Anlage, die immerhin circa 80 000 Euro gekostet hat, vom Finanzamt zurückholen.

„Eine Sache wundert mich aber. Mein Nachbar, zwei Höfe weiter, hat auch eine solche Anlage, er kann schon seit einem Jahr einspeisen“, wundert sich Schreiber. Ralph Montag, Pressesprecher der E.on Avacon, erklärt auf AZ-Nachfrage: „Es ist leider der Fall, dass mit dem Anschluss des besagten Nachbarn die Transportkapazitäten der Leitung erschöpft ist, deswegen muss ausgebaut werden. Wir hätten es etwas früher wissen müssen.“ Daher werden nun voraussichtlich ab März, wenn das Wetter so bleibt, insgesamt 680 Meter Freileitung mit einem Querschnitt von 50 auf ein Erdkabel mit 240 Quadratmillimetern erweitert. Die Arbeiten dauern nur wenige Wochen, erklärt Montag die Pläne.

Von Berit Wagner

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