„Beweismaterial“ soll jetzt der Polizei und dem Veterinäramt übergeben werden

„Soko Tierschutz“ legt Videos vor – Haben die Behörden versagt?

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Die Anschuldigungen der „Soko Tierschutz“ gegen einen Milchviehbetrieb in Demker: Tierkadaver und Skelette sollen dort außerhalb der Kadaverhalle - auch zwischen den lebenden Tieren - herumliegen. Als Beweis wurden gestern diese Bilder gezeigt.

Stendal/Demker. Seit einer Woche schwirren die Bilder von vernachlässigten und toten Tieren durch die Presse.

Der Verein „Soko Tierschutz“ hatte „unzumutbare Zustände“ für die lebenden und toten Tiere in einem Milchviehbetrieb in Demker angeprangert und dies gestern im Rahmen einer Pressekonferenz mit Videos und Fotos untermauert.

Friedrich Mülln

Vereinsvorstand Friedrich Mülln beschrieb nochmals genau, wie „die Missstände“ im Betrieb aufgedeckt wurden. Durch Video- und Fotoaufnahmen, die aus dem Unternehmen stammen sollen, wie er versicherte, verhärtete Mülln die Anschuldigungen. Am 25. März war die Tierschutzorganisation nach Angaben von Mülln zum ersten Mal in dem Unternehmen in Demker. Schnell sei ihm klar geworden, dass der Milchviehbetrieb „in keinem guten Zustand“ ist. Mülln sprach von durch Fäkalien stark verschmutzte Böden, verendeten Tiere außerhalb der Kadaverhalle und verletzten Milchkühe zwischen den gesunden.

„Eigentlich sollte man verletzte Tiere separat halten, damit sie Ruhe bekommen und sich erholen können“, erklärte der Tierrechtler.

Auch nach mehrmaligen Kontrollen und Meldungen beim Veterinäramt soll die Behörde bis zum 9. April die Füße still gehalten haben. Bei der Kontrolle, die dann nach Angaben des Landkreises stattgefunden haben soll, konnte das Amt „keine Missstände feststellen“, erfuhr Mülln auf Anfrage. „Ich bezweifle, dass das Veterinäramt den Betrieb wirklich kontrolliert hat“, sagte er bei der Pressekonferenz gestern gerade heraus. Denn auch Tage nach der angeblichen Kontrolle habe die „Soko Tierschutz“ Kadaver gefunden, die laut ihrer Dokumentation schon seit Wochen dort verwesten. „Menschen, die ihre Kühe so halten, sollten keine Tiere haben.“, konstatierte der Tierschützer passioniert.

Warum die vermeintlichen Zustände nicht bereits früher aufgedeckt wurden, darüber kann Mülln nur mutmaßen: Unwissenheit über die gültige Rechtssprechung und ein überfordertes Amt könnten die Gründe sein.

An der Richtigkeit seiner Behauptungen ließ Mülln keine Zweifel. „Wir gehen nicht ohne kugelsichere Weste an die Öffentlichkeit.“ Soll heißen: Alle Anschuldigungen würden zuvor auf Herz und Nieren überprüft, betonte Mülln. Der Vereinsvorsitzende ist seit 25 Jahren im Tierschutz tätig. Die Soko hat er im Jahr 2012 gegründet, „um Tierschutz einmal anders zu präsentieren“. Meldungen zu mutmaßlichen Missständen erhalte er täglich.

Das „Beweismaterial im Falle Demker“ soll nun an die Polizei und das Veterinäramt Stendal übergeben werden. Letzteres, so Mülln, soll die Fotos und Videos erst am Montag angefordert haben.

Der beschuldigte Milchviehbetrieb war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Bekannt wurde jedoch, dass das Unternehmen alle Vorwürfe zurückgewiesen habe.

Auf eine Anfrage der AZ an das Veterinäramt des Landkreises, wie dieses die Soko-Vorwürfe und das vorgelegte „Beweismaterial“ bewertet, gab es gestern bis Redaktionsschluss kein Statement.

Friedrich Mülln will demnächst ein Bürgergespräch führen. „Die Leute haben Fragen. Wir möchten darüber reden, diskutieren und Lösungen finden“, sagte er gestern abschließend.

Von Laura Kühn

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