Sven Biermann über großartige Zeiten der Wende im Kulturhaus und die emotionale Bindung an den Bau

„Da sind Raketen durch den Saal geflogen“

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Sven Biermann ist seit 28 Jahren vertraut mit den Abläufen im Kulturhaus. Er leitet das Geschäft – dabei bemerkt er unter anderem, dass Veranstaltungen mit lokal bekannten Künstlern gut laufen.

Tangerhütte. Sven Biermann, der Leiter des Kulturhauses in Tangerhütte hat das Telefon immer dabei. Eingehende Kartenanfragen landen bei ihm auf dem Apparat.

Zwei Anfragen gehen ein, während er mit der Altmark-Zeitung über Programmgestaltung, emotionale Ereignisse im Kulturhaus und die Konkurrenz mit größeren Standorten redet. Die Saison im Schloss ist vorbei, das Ergebnis mit 3500 bis 4000 Besuchern zufriedenstellend, und Biermann, 43, organisiert derzeit die Herbstveranstaltungen im Kulturhaus. Er hat hier schon als 15-Jähriger im Ordnungsdienst der DDR gearbeitet.

Auszug aus dem Interview, Altmark-Zeitung vom 23.10.2014:

Wie haben Sie das Kulturhaus zuerst erlebt?

Im Grunde nicht anders als heute. Seit den 80er-Jahren hat sich baulich nicht viel verändert. Ich kenne es so seit meiner Jugend. Damals gab es sehr viele Veranstaltungen. Es war ein volles, belebtes Haus. Es hatte damals ja auch noch den Status des Kreiskulturhauses und hatte eine Bedeutung über Tangerhütte hinaus.

Was hat sich geändert?

Über die Jahre hat sich die Veranstaltungskultur geändert. Mit der Wende hatten wir zunächst die Möglichkeit, die Stars des Westens hierher zu bekommen. Künstlerisch war das eine Riesenbereicherung. Aber vorher hatten wir auch schon viele Größen da.

Welche Stars kamen vor – und nach – der Wende denn zum Beispiel?

Da gab es Heidi Kabel, Gotthilf Fischer, Gunter Gabriel, Frank Schröbel, Frank Zander, Thomas Anders oder Joy Fleming. Fleming unter anderem schon vor der Wende.

Was war für sie der schönste Moment im Kulturhaus?

Einiges. Was mir als Erstes einfallen würde, ist Silvester 89/90 während der Wende. Das war ein Teil der Geschichte, der auch hier sehr emotional gefeiert wurde. Da sind dann schon mal die Raketen durch den Saal geflogen. Das war für alle ein Riesen-Neuanfang. Aber es gab auch viele tolle Veranstaltungen. Wir hatten vor sieben Jahren hier die lokale Band „Combo 68“, die ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert hat und mehrere andere Bands eingeladen haben.

Was sind Flops? Dinge, von denen Sie als Veranstalter die Finger lassen?

Eigentlich lasse ich von gar nichts die Finger. Ich habe als Leiter des Kulturhauses der Stadt auch den Anspruch, die ganze kulturelle Breite zu zeigen, die es gibt. Neben Disco-Veranstaltungen mit unserem Partner Werner Jacob von der Gaststätte sind das dann auch Kabarett, Klassische Musik, Jugendweihe oder Silvesterparties.

Was läuft denn gut?

Beispielsweise das Kabarett, wie die „Kanzlerflüsterer“ von der Berliner Gruppe „Distel“, jetzt am 30. Oktober. Oder die Gruppe „Zwickmühle“ aus Magdeburg, die wir alle zwei Jahre haben. Gut ist auch beispielsweise die Klassische Musik, eine Kammermusikreihe. Im Publikum gibt es da immer noch einige, die seit dem Anfang dabei sind. Die Leute sind verbunden mit dem Kulturhaus, man kennt sich. Und alles, was lokal ist, läuft recht gut. Beim künftigen Bürgermeister Andreas Brohm und der Kabarett-Gruppe „Ningdongs“ war der Saal auch voll. Damals gab es hier auch noch ein Gymnasium. Nach dessen Schließung war es dann schwierig, ein Programm für junge Leute aufzubauen. Einige versuchen es weiter, wie beispielsweise die jungen Leute Tangerhüttes, die kürzlich das „Holi“-Festival hier organisiert haben. Bei dem Antrag haben wir denen geholfen. Wir sind nicht nur ein Veranstalter. Hier laufen auch viele Informationen zusammen.

Andreas Brohm ist selbst ein erfahrener Veranstaltungs-Manager. Was erwarten Sie von seiner Amtszeit?

Ich freue mich, dass er – als „Kulturmensch“ – nach Tangerhütte kommt.

Von Kai Hasse

Lesen Sie das komplette Interview in der Donnerstagsausgabe der Altmark-Zeitung.

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