„Jahrelang gemeinsam weggeschaut“

Schlagabtausch im Sozialausschuss: Drei Varianten für Wildpark Weißewarte

Bürgermeister Andreas Brohm (hinten rechts) stellt die drei Varianten vor, wie es mit dem Wildpark Weißewarte weitergehen könnte.
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Bürgermeister Andreas Brohm (hinten rechts) stellt die drei Varianten vor, wie es mit dem Wildpark Weißewarte weitergehen könnte.

Tangerhütte – Die „Diskussion zum Wildpark Weißewarte“ war (neben der Verpflichtung einer sachkundigen Einwohnerin) der einzige Tagesordnungspunkt des Tangerhütter Sozialausschusses am vergangenen Montag.

Mehr als zweieinhalb Stunden wurde informiert, diskutiert und gestritten.

Resultat: Eine gemeinsame Linie wurde nicht gefunden. Stattdessen ging es mal wieder um Formalien und gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen einzelnen Stadträten und Vertretern der Verwaltung. Das Ziel, das eigentlich alle gemeinsam verfolgen, nämlich der Erhalt des Wildparks, rückte dabei zeitweise in den Hintergrund. Die Verwaltung hatte ein umfangreiches Zahlenwerk über Einnahmen und Ausgaben erarbeitet, das Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) per Powerpoint präsentierte. Schon dafür hagelte es heftige Kritik.

Mehr als zweieinhalb Stunden wurde über den Wildpark diskutiert.

Ohne schriftliche Vorlagen könne sie nicht diskutieren, monierte Edith Braun (WG Lüderitz), um dann doch die Analyse an vielen Stellen in Zweifel zu ziehen. Rita Platte (Wählergemeinschaft Altmark-Elbe) sprach sogar von Zeitverschwendung, weil sie die Zahlen so nicht prüfen könne. Beide verließen später im Zorn den Raum. Ihnen folgten Daniel Wegener (WG Zukunft) und Marcus Graubner (CDU). Andere Ausschussmitglieder waren darüber verwundert, dass die missliche Situation nicht früher erkannt wurde. „Wir haben jahrelang gemeinsam weggeschaut“, sagte Amtsleiterin Kathleen Altmann.

Drei Varianten für die Zukunft des Wildparks, liegen nun auf dem Tisch. Laut Variante A würde die Einrichtung wie bisher in kommunaler Hand weitergeführt. Das bedeute aber einen erheblichen Verwaltungsaufwand, den die Kommune eigentlich nicht leisten könne, sagte Brohm. Außerdem müsste ein Defizit von rund 170 000 Euro getragen werden. Das sei zum Großteil durch Personalkosten und notwendige Investitionen bedingt.

Auch bei den anderen Varianten wäre die Kommune weiterhin Eigentümer und würde den Park mit jeweils 100 000 Euro bezuschussen. Der Betrieb würde entweder durch eine GmbH erfolgen, zu der sich Landwirte zusammenschließen (Variante B). Nach ersten Sondierungen wird sich aber wohl keiner finden, der das machen will. Stattdessen seien viele seiner Kollegen bereit, den Park weiterhin durch Sachspenden (Futtermittel) und Fachkunde zu unterstützen, sagte Landwirt Michel Allmrodt (CDU/FDP). Bliebe Variante C: Es wird ein externer Betreiber gesucht, der Erfahrung in der Branche mitbringt. „Wildpark zu vermieten“, brachte es der Bürgermeister salopp auf den Punkt. In diesem Fall hätte die Kommune einen begrenzten Einfluss aber auch weniger Aufwand und Kosten. Genaueres sei über Verträge zu regeln.

Welche Variante verfolgt werden soll, muss letztlich der Stadtrat entscheiden. Auch die Frage, die Anzahl der Tiere zu verringern, um Pflegeaufwand und damit Kosten zu sparen, steht im Raum. Bis zum 9. Dezember müsse die Zoogenehmigung beantragt, sagte Brohm. Voraussetzung dafür sei Klarheit, wie es mit dem Wildpark weitergehen soll. Die Zeit drängt also. Dann stehe die größte Herausforderung an, die Kosten für den Wildpark im Haushalt der Einheitsgemeinde zu verankern. Der Etatentwurf weise schon jetzt ein erhebliches Defizit auf.

VON CHRISTIAN WOHLT

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