Tierschützerin Jackowski sucht Nachfolger

Pferdehof Cobbel vor Umbruch: Zügel kommen in neue Hände

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Merlin holt sich bei Angela Jackowski seine Medikamente für diesen Tag ab. Der Noriker, schon als Fohlen in Cobbel, kämpft gegen Bakterien an. Eine zunächst winzige Verletzung hat sich entzündet und ausgeweitet.

Cobbel – „Schlapp machen gilt nicht. “ Angela Jackowski läuft in schweren Schuhen über die Weide. Seit 6 Uhr ist die 66-Jährige schon wieder auf den Beinen.

16 Pferde wollen momentan auf dem Schutz- und Gnadenhof versorgt sein, vom mächtigen Kaltblut bis zum Mini-Shetlandpony ist alles dabei.

„Sie alle sind mein Leben, ich bin gern für sie da. Doch irgendwann . . . “ Die Stimme der Tierschützerin wird leise. Irgendwann müsse ein anderer die Aufgabe übernehmen. Lieber früher als später, um den Nachfolger ordentlich einzuarbeiten. Den gut gemeinten Ratschlag, doch etliche Pferde abzugeben, könne sie nicht mehr hören. „Das ist einfach der falsche Ansatz. Es muss anders gelingen. “.

Schon ihr Anblick hat ausgereicht, dass sich drei Noriker, Gebirgskaltblutpferde, in Bewegung gesetzt haben. Jackowski hat sie vor gut acht Jahren auf einem österreichischen Fohlenmarkt vor dem Schlachter bewahrt. Merlin, einer der drei, trägt seit Tagen einen dicken Verband an einem Hinterbein.

„Schon drei verschiedene Antibiotika sollten die Entzündung aus dem Körper vertreiben.“ Jackowski gibt keines ihrer Sorgenkinder einfach so auf. „Zumal jedes von ihnen schon eine schlimme Vorgeschichte hat.“ Immer wieder hat sie Tiere aus schlechter Haltung geholt. Die Interessengemeinschaft „Freizeit mit Pferden und Pferdeschutz“, ein gemeinnütziger Verein, besteht 2020 zwei Jahrzehnte.

Jackowski muss an die Zukunft denken. Ihr Mann Johannes ist 2017 verstorben. „Er ist in meinem Herzen.“ Gern würde sie ihrer Freundin aus Polen, die in Nürnberg lebt, das Lebenswerk überlassen. Doch diese habe eine Tochter und können nicht einfach so alles stehen und liegen lassen. Und überhaupt: „Vom Hof kann nun einmal niemand leben, er finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden“, betont die Rentnerin. Dringend benötige der Verein, dessen Vorsitzende sie ist, Tierfreunde, die regelmäßig Geld geben. Die Tangerländerin möchte einen Mini-Job schaffen. „Ich habe auch schon jemanden im Blick, der das könnte.“ Derzeit muss sie so gut wie alles allein stemmen.

Mittel- und langfristig könnte auch das Tiny House Movement helfen, eine Bewegung mit Ursprung in den USA, die das Leben in kleinen Häusern propagiert. „Die Stellplätze für Wohnwagen oder ähnliche Unterkünfte gäbe es von mir gegen eine Standgebühr und Arbeitskraft auf dem Hof. Das eigene Pferd könnte mitgebracht werden“, erläutert Jackowski im AZ-Gespräch.

Allerdings sehe sie schon jetzt jede Menge Bürokratie und nötige Genehmigungen auf sich zukommen. „Noch existieren mehr Fragen als Antworten, doch es wäre ein möglicher Weg in die Zukunft.“ Egal, wer einmal das Zepter übernehmen werde, eines, müsse ihm unbedingt bewusst sein: „Pferde sind fühlende Wesen und haben eine Seele.“

Die Altmärkerin krault Merlin am Kopf und schaut über die Weide. Es ist kaum ein Grashalm zu sehen, der Dürresommer hat Spuren hinterlassen. Sie sei stets und ständig auf Heu angewiesen. „2018 hatte ich irgendwie den richtigen Riecher und habe ordentlich eingekauft.“ Bis zur nächsten Ernte, die sich irgendwann im August verfüttern ließe, komme sie noch hin. Dann werde es eng, auch rechne sie mit steigenden Preisen. „Vielleicht füllen die Bauern auch erst ihre eigenen Bestände auf und geben nichts weiter.“ Ein Rundballen koste sie normalerweise um die 35 Euro, bald könnten es 50 Euro und mehr sein. Mindestens 200 dieser mannshohen Ballen benötige der Hof im Jahr.

Ein größerer Arbeitseinsatz ist für Sonnabend geplant. Die Tierschützerin hofft am 11. Mai auf viele helfende Hände, einiges müsse gesäubert, repariert, gebaut oder auch nur bewegt werden. Um 8.30 Uhr geht es auf dem Gelände an der Mühlenstraße los. Wer den Verein darüber hinaus unterstützen möchte, findet weitere Informationen unter pferdefreizeithof-cobbel.de.

Eines müsse noch unterstrichen sein: Der Hof sei zwar eine sogenannte tierheimähnliche Einrichtung, bekomme aber nicht die Zuschüsse, wie sie ein Tierheim nicht zuletzt für Hund und Katze erhalte. Jackowski ist in der Tangerhütter Ortschaft erreichbar unter 0172 / 9767794. „Ich bin für jede gute Idee offen und für jede finanzielle Unterstützung dankbar.“

VON MARCO HERTZFELD

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