Langjährige Leiterin warnt vor allzu großen Umbrüchen

Nach 13 Jahren in Weißewarte: „Immer um den Wildpark gekämpft“

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Annette Friedebold vor dem Eingang zum Wildpark. Sie war dort 13 Jahre lang die Leiterin.

Weißewarte – „Ob wir den Wolf zeigen sollen oder nicht, war immer ein Diskussionspunkt. Er braucht Platz und muss besonders sicher untergebracht sein“, ist Annette Friedebold schon wieder mittendrin.

Die 63-Jährige ist Feuer und Flamme für den Wildpark, so kennen sie Kollegen und Besucher.

Das Zepter führt die gebürtige Birkholzerin schon seit einigen Monaten nicht mehr und am 31. März geht sie offiziell in den Ruhestand. Seit 2006 war sie die Leiterin. „Wir haben immer um die Freizeitstätte Wildpark gekämpft. Das darf nicht aufhören“, gibt sie ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg. Die Latte liegt nicht gerade niedrig.

In ihrem ersten Jahr als Chefin hat sie mit 20  000 Besuchern angefangen, in ihrem letzten sind es 40  000 gewesen. „So viel kann also nicht falsch gewesen sein“, sagt sie der AZ. Dass die neue Führung dennoch einiges verändern wolle, könne sie durchaus verstehen.

„Doch wir sollten weiter ein ureigenes Konzept haben. Hier erlebt man Tiere hautnah, fast ausschließlich einheimische und keine exotischen. Hier sieht es fast so aus wie in der Natur. Gerade der Städter mag es nicht übermäßig aufgeräumt. Der Wildpark muss sich inhaltlich unterscheiden vom Tierpark in Stendal und vom Zoo in Magdeburg.“

Friedebold kennt die genauen Pläne für die Zukunft nicht. „Den Park noch ein wenig zu vergrößern, wäre jedenfalls möglich.“ Aktuell misst er bereits 15 Hektar, was 21 Fußballfeldern entspricht. Etwa 400 Tiere aus ungefähr 50 Arten werden im Park gehalten.

„Ein Lieblingstier habe ich nicht. Hirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs, Luchs und all die anderen sind mir immer gleich wichtig gewesen.“ Wobei: „Der Wisent wäre noch einmal ein besonderer Magnet, Besucher fragen immer wieder nach ihm.“ Das mächtige Wildrind konnte früher dort beobachtet werden. Eine Krankheit raffte die Reste der Herde dahin.

Die Mutter von vier Kindern ist eigentlich gelernte Gießerei-Facharbeiterin. Ihr Mann Lothar stammt aus Weißewarte. Als sie 1974 in das Dorf zog, gab es den Wildpark gerade einmal ein Jahr. „Irgendwann wurde eine Stelle frei, ein Glücksfall. Mein erster Arbeitstag war der 26. Januar 1983“, weiß sie noch ganz genau. Die Anlage war damals noch recht überschaubar, es gab nur wenige Tiere. „Wir bauten damals sogar selbst Futtermittel an, ernteten Rüben, machten Heu.“ Im Grunde sei das so bis 1989 gegangen. Nach der politischen Wende im Osten war vieles anders. Vor allem: Gäste mussten Eintritt zahlen.

Veranstaltungen seien immer wichtiger geworden, alles musste sich rechnen. Ein Fest zu Ostern und zum Nikolaus, weitere in Sommer und Herbst, hat es schon lange gegeben. „Mit dem Lichterfest im Oktober haben wir vor gut zehn Jahren begonnen, es ist mittlerweile das beliebteste“, meint Friedebold. Seit einigen Jahren finden auch regelmäßig Flohmärkte auf dem Gelände statt, viele Hundert Menschen sind dabei. „Vorbereitung und Umsetzung brauchen viel Kraft.“ Dass es einen engagierten Förderverein und weitere Unterstützer gibt, habe sie immer zu schätzen gewusst.

Helmut Kujawski und Horst Pohl leiteten den Park vor ihr. „Ich habe einiges von ihnen gelernt.“ Verbunden fühlt sie sich auch Siegfried Arndt, dem Vorsitzenden des Fördervereins. Dass der Park Weißewartes Bürgermeister Detlef Radke am Herzen liegt, davon sei sie überzeugt.

Dass der Stadtrat der Einheitsgemeinde Tangerhütte sich nach einigem Hin und Her zum Wildpark bekannt habe, sei ungemein wichtig. Dass sich zukünftig offenbar mehr Leute um die Tiere und alles andere kümmern sollen, begrüße sie natürlich. „Wir waren viele Jahre oft nur zwei Feste und mehrere Hilfskräfte.“

Die Frage, ob sie sich bereits langweile, höre sie oft. „Ich habe ein Haus und einen Garten, einen Mann und bald acht Enkel. Langeweile kommt da nicht auf“, sagt die 63-Jährige und lacht. Sie fährt Rad, sucht Pilze, dieses Jahr geht es noch zum Urlaub nach Norwegen. Und: Sie angelt, wo sich die Möglichkeit ergibt, eine große Leidenschaft. Die Erinnerungen an die Arbeit, die vielen kleinen und großen Herausforderungen und nicht zuletzt an die Hochwasser 2002 und 2013, die den Park bedrohten, sind noch frisch. „Ich werde nie ganz weg sein“, verspricht Friedebold.

VON MARCO HERTZFELD

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