„Ich warte seit über einem Jahr“

Mutter eines autistischen Jungen kämpft  um ein „B“ auf dem Schwerbehindertenausweis

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Der achtjährige Connar ist Autist und wird Zeit seines Lebens auf Hilfe angewiesen sein, weil er sich allein nicht zurecht findet.

Tangerhütte. Seit über einem Jahr kämpft Rita Dargent aus Tangerhütte dafür, dass auf dem Schwerbehinderten-Ausweis ihres achtjährigen Sohnes Connar ein „B“ für Begleitperson vom Landesverwaltungsamt in Magdeburg eingetragen wird.

Ein „H“ für hilflos steht in Connars Ausweis, denn der Junge leidet laut Diagnose aus dem Jahr 2011 an atypischem Autismus, kombinierten Entwicklungsstörungen und einer leichten intellektuellen Behinderung. „Er liebt Zugfahrten, aber er kann nicht alleine fahren. Er braucht eine Begleitperson“, sagt Dargent. „Er würde nie dort ankommen, wo er hin soll.“

Doch das Landesverwaltungsamt sieht dies nicht ein. „Die Begründung für die zweite Ablehnung war, dass er alleine in einen Zug oder Bus ein- und aussteigen könne“, erklärt sie. Zweimal ging Dargent in Widerspruch, holte sich nach der ersten Ablehnung zur Änderung des Merkzeichens auch die Unterstützung des Allgemeinen Behindertenverbandes in Stendal. Doch es nützte nichts, das Amt blieb stur und lehnte ein zweites Mal ab. Nun liegt die Sache beim Sozialgericht. Sie kämpfe für ihr Recht, denn das Merkzeichen H erfülle den Umstand einer ständigen Begleitperson. Auch die Gutachten belegen dieses. Mitbegründet ist auch Connars Angst vor unbekannten Wegen. Dann fängt er an, lautstark zu weinen und lässt sich kaum mehr beruhigen. Lärm verängstigt ihn ebenfalls, dann schaltet er ab, hält sich die Ohren zu.

Auf den ersten Blick wirkt er jedoch wie ein normaler kleiner Junge, der sich laut seiner Mutter mit fünf Jahren das Lesen selbst beibrachte. Zwei besonders niedliche Eigenarten hat Connar noch – er trägt nie zwei gleiche Socken und er ist jede Woche eine andere Trickfigur, entweder Micky Maus, Bob der Baumeister oder Supergrobi. „Die Sesamstraße ist meine Lieblingssendung“, erklärt Connar und liest aus seinem Lieblingsbuch mit vielen verschiedenen Zügen vor und zeigt damit, wie gut er darin ist. Doch zeitweise lebt er auch in seiner eigenen Welt. Zieht sich zurück, wenn es ihm zu viel wird. „Dann kann man mit einer Trillerpfeife lautstark pfeifend hinter ihm stehen und er nimmt es nicht war.“ Zeitweise habe sie gedacht, ihr Sohn sei schwerhörig, aber das Gehör ist in Ordnung. So ist das mit Autisten. Connar erzählt gern, aber er schaut einem dabei selten in die Augen. Manchmal verweigert er auch die kleinste Berührung und spontane Änderungen im Tagesablauf bringen den Jungen aus dem Konzept.

Länger andauernde Schwierigkeiten gäbe es zu Beginn der Sommerferien und dem darauffolgenden Schulbeginn. „Dann ist er zwei bis drei Wochen wie durch den Wind. Der geregelte Tagesablauf ist durcheinander. In dieser Zeit gibt es die meisten Probleme und Ausraster“, berichtet seine Mutter. „Wir setzen uns dann aufs Sofa, ich halte ihn fest und versuche, ihn zu beruhigen.“ Schlimm finde sie die Kommentare von Fremden, die nicht wissen, wie es ist, ein autistisches Kind großzuziehen. Wenn er im Laden oder auf der Straße wegen einer Kleinigkeit anfängt, auszurasten, habe ihr schon jemand „Da ist wohl was in der Erziehung schief gelaufen“, an den Kopf geworfen. Auch ernte sie oft schiefe Blicke.

Von Maren Maatz

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