Sieben Autos und acht Motorräder

Aus Liebe zu Karossen: Thomas Kühnel aus Tangerhütte sammelt seit 1980 Oldtimer

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Thomas Kühnel sammelt seit 1980 Oldtimer. Sein ganzer Stolz ist der Hanomag „Rekord“ aus dem Jahr 1937. Auch dieses Gefährt, das aktuell überholt wird, fuhr bereits für Filmproduktionen.

Tangerhütte. Hätte es eine Anzeige in der Zeitung gegeben, hätte sie vielleicht unter der Rubrik „Gesucht und gefunden“ stehen können: Thomas Kühnel aus Tangerhütte hatte Ausschau nach einem Unterstand für seine Oldtimer gehalten.

Der Framo aus dem Jahr 1935 hatte schon prominente Insassen wie Schauspielerin Veronica Ferres. An der Wand der „Ostecke“ hängen alte Zeitzeugen, die auf den restaurierten Trabant „aufpassen“.

Das älteste Gerätehaus der Tangerhütter Feuerwehr bot sich an. In privater Hand ist die über hundert Jahre alte Halle, die neben dem ebenfalls ausgedienten Gerätehaus der 1970er Jahre steht, seit 2012. Eigentümer Kühnel steckte fünf Jahre Arbeit ins Objekt und präsentierte der AZ die ganz privaten, motorisierten Schätze. Die haben bisher nur wenige Gäste so sortiert gesehen.

Der Oldtimerfan lässt mal kurz einen Motor in seiner Werkstatt an. Der hat leichte Anlaufschwierigkeiten - trotz milder Temperaturen dieses Winters. Der Hanomag „Rekord“, ein Cabrio aus dem Jahr 1937, steht momentan auf einer Hebebühne. Die Federung des edlen Fahrzeugs aus Vorkriegszeiten will Kühnel noch erneuern. Angefangen hat seine Sammelleidenschaft mit einem IFA F9. Das war 1980. Wie er zu seinem ersten Hanomag kam, schildert er so: „Hanomag war eigentlich so mein Steckenpferd. 1985 fanden wir in Mieste auf einem alten Bauernhof meinen ersten roten Hanomag, da hat sich die Liebe entwickelt. Ich habe dann auch Kontakte geknüpft zur Hanomag IG und seitdem ist es immer stetig gewachsen.“

Dieses Wachstum, von dem Kühnel spricht, endete erst einmal bei aktuell sieben Automobilen und acht Motorrädern. Auf den besagten Hanomag und sein motorisiertes Dreirad der Marke Framo aus dem Jahr 1935 ist er besonders stolz. Sie rollten schon über die Kinoleinwand. „Ein weites Herz“ hieß ein Film. „Da waren wir natürlich sehr angespannt. Da hat halt eben Nadja Uhl dieses schöne Cabrio gefahren. Eigentlich verleihen wir die nicht. Aber sie hat eben nur Kurzstrecken gefahren und war dabei auf einem Trailer aufgeladen. Ansonsten sind wir immer selbst die Fahrer. Ich sehe das nicht so positiv, wenn die Schauspieler mit den Autos umherheizen.“ In zehn Filmen waren seine Oldtimer bisher zu sehen. Eine Szene blieb besonders in Erinnerung: „Die größten Filmaktionen hatten wir in ,Neger, Neger, Schornsteinfeger’ mit Veronica Ferres. Die schönste Szene war, als ich mit Veronica Ferres eine Vollbremsung machen musste. Sie hat mich dann ausgeschimpft, warum ich so wild fahre – mit einem Dreirad, 25 km/h.“

Das alte Gerätehaus gleicht einem Museum. Stilistisch könnten dort Besucher Ausflüge quer durch das 20. Jahrhundert machen. Kühnel interessierte sich schon immer eher für Autos aus der Vorkriegszeit der 1930er Jahre. Das Interesse an alten Autos hat sich auch auf die Söhne Kühnels übertragen. Nur sind deren motorisierte Lieblingsstücke jung für Oldtimer und passen zur „Ostecke“ der Halle, wo Ulbricht und Co. auf einen Trabant und einen Skoda schauen. Lukas (21) baute sich die Rennpappe auf. Benjamin (27) restaurierte einen seltenen Skoda 1202, Baujahr 1964. Ohnehin beobachtet Kühnel eine Veränderung auf dem Oldtimermarkt: Moderne Oldtimerfans wollen laut Kühnel mit Fahrzeugen der 1960er und 1970er Jahre schneller und weiter fahren. Auch Ost-Wagen wie der Trabant sind gefragt. Vorkriegsfahrzeuge, wie der Tangerhütter sie pflegt, seien selten auf dem Markt.

Bis zum Frühjahr bleiben seine Schätze unterm Dach des alten Gerätehauses. Die erste Tour der neuen Saison soll am 25. bis zum 27. Mai nach Wolfsburg führen.

Von Alexander Klos

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