Weidetierhalter wollen im Verein wirksamen Herdenschutz organisieren

„Lernen, mit dem Wolf zu leben“

+
Setzen im Verein auf Herdenschutz: Torsten und Christian Kruse (Uthmöden), Ronald Gericke (Badingen) sowie Vorsitzender Swen Keller (v.l.).

Altmark / Aken. Vereint gegen Wolfsattacken – dafür gründeten Betroffene nun in Sandbeiendorf bei Tangerhütte einen Verein. Der Name ist Programm: „Herdenschutz + Hund Sachsen-Anhalt“.

„Den größten Wolfsdruck gibt es bisher in der Altmark“, begründet Vorsitzender Swen Keller, warum ein Großteil der 23 Mitglieder aus dem Norden des Landes kommt.

Mitmachen könne jeder Weidetierhalter, der von Wolfsangriffen bedroht ist. Auch andere Mitstreiter, etwa Kommunen oder Verbände, seien willkommen. Ein Vertreter der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe ist bereits mit im Boot. Es gehe nicht darum, Isegrim abzuschießen. „Dadurch wird man das Problem nicht lösen“, so Keller: „Der Wolf gehört wieder zur heimischen Fauna, und wir müssen lernen, mit ihm klarzukommen“. Wie das funktionieren soll, ist Ziel des Vereins. Die Mitglieder wollen gemeinsam Herdenschutz organisieren. Viele Tierhalter würden das Thema auf die leichte Schulter nehmen – bis sie selbst betroffen seien.

Keller spricht dabei aus eigener Erfahrung. In seinem Rinderzuchtbetrieb bei Aken wurden mehrere Kälber gerissen. Bald merkte er: Von einem einfachen Elektrozaun und kuscheligen Hütehunden lässt sich der Räuber nicht abschrecken. Daher schaffte er sich Herdenschutzhunde an, die speziell ausgebildet sind. Das Rezept Schutzhund plus Zaun funktioniert. Seitdem hat er Ruhe.

Dass in den vergangenen Monaten seltener von Wolfsangriffen in der Altmark berichtet wurde, schreibt Keller einerseits dem gewachsenen Problembewusstsein zu, die ihre Herden besser schützen. Andererseits sei es möglich, dass Rudel in andere Gegenden gezogen sind. Durch eine Vernetzung mit den Wolfskompetenzzentren Sachsen-Anhalts und Brandenburgs will der Verein mehr über das Verhalten des Tieres erfahren. Spätestens im Herbst, wenn es Isegrim wieder schwerer falle, in der freien Natur Beute zu machen, werde sich zeigen, ob der Wolfsschutz funktioniere.

Von Christian Wohlt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare