Umsatzverlust noch nicht aufgeholt

Lebenshilfe vermisst Unterstützung in Coronazeit

Eva von Angern (Linke) steht in der Keramik-Werkstatt der Tangerhütter Lebenshilfe.
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Landtagsabgeordnete Eva von Angern (l.) sah sich die Werkstätten der Lebenshilfe in Tangerhütte an. Das Personal klagte über fehlenden Platz und finanzielle Unterstützung der Regierung.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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„Wir haben fast täglich Verdachtsfälle hier“, berichtet Geschäftsführer Martin Schreiber beim Rundgang durch die Werkstätten der Lebenshilfe in Tangerhütte mit Landtagsabgeordnete Eva von Angern (Linke). Eins der drei Wohnheime auf dem Gelände steht derzeit unter Quarantäne. Dabei werde schon seit Langem konsequent gegen das Coronavirus getestet.

Tangerhütte - Verpflichtend sei es schon lange in den Wohnheimen. Aber auch bisher freiwillig im Betrieb sei die Bereitschaft unter den Beschäftigten mit Behinderung groß, sich alle zwei Tage testen zu lassen. „Man fühlt sich einfach anders nach einem Negativtest“, berichtet eine Begleiterin. Auch die Besucher wurden alle vor dem Betreten des Geländes getestet.

Vor allem der erste Lockdown im März 2020 habe der Lebenshilfe zu schaffen gemacht. „Wir haben alle Werkstätten und Läden geschlossen. Auch die Märkte, zu denen wir sonst mit unseren Produkten fahren, fielen aus“, erklärt Schreiber. Immerhin mussten die begleitenden Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit. „Da sie eigentlich für die über den Tag Betreuung unserer Bewohner zuständig sind, sind sie mit in die Wohnheime gegangen, das hat gut geklappt.“ Nach einem Kampf darum liefen auch die Pflegesätze weiter.

Nachdem gelockert wurde, bildete die Lebenshilfe bereits frühzeitig Kohorten. „Vorsorglich wurden die Wohngruppen in derselben Form auch in die Arbeitsgruppen aufgeteilt, sodass sich diese nicht vermischten. Viele mussten erst einmal neu qualifiziert werden, weil sie plötzlich in einer anderen Werkstatt waren als zuvor.“

Ursprünglich ab Juni 2020 sei geplant gewesen, die Beschäftigten wieder in ihre ursprünglichen Arbeitsbereiche zu lassen, aber dann fanden doch Viele es im neuen Bereich besser. „Wir haben viele Einzelgespräche mit dem Personal geführt, um ein Meinungsbild dazu zu bekommen.“

Beim Neustart gab es ebenso Probleme, wie der Geschäftsführer berichtet: „In der Floristik und Keramik sitzen eigentlich 250 Leute auf 90 Plätzen. Der Abstand ist da nicht gegeben.“ Viele Laufwege seien verändert worden, damit die Kohorten sich weniger begegnen. „Wir haben auch den Sportraum zur Erweiterung des Essenraums genutzt.“ Vor allem der Einsturz im Verkauf bereitet dem Geschäftsführer Sorgen. „Wir hatten im ersten Lockdown null Euro Gewinn, weil alles zu war. Bis Ende 2020 konnten wir vom normalen Jahresumsatz nur etwa 70 Prozent zurückgewinnen. Ob wir das dieses Jahr aufholen können, ist auch noch fraglich“, erklärt Schreiber.

Wulf Gallert (l.) und von Angern (beide Linke) wurden vom Geschäftsführer Martin Schreiber herumgeführt.

Wie eine Mitarbeiterin berichtet: „Wir verkaufen nicht nur viel auf den Märkten, es ist auch Werbung für die Lebenshilfe. Wir zeigen damit: Wir sind hier und unsere Arbeit ist wichtig.“ Zu den Läden direkt an den Werkstätten sei praktisch niemand mehr gekommen.

Auch, was staatliche Unterstützung, besonders in der Anfangszeit der Pandemie, angeht, sei vieles schwierig. „Die haben bei unserem Antrag auf Masken tatsächlich nach einer Begründung gefragt, wozu wir die Masken für unsere Mitarbeiter nutzen.“ Für den Mehraufwand musste die Lebenshilfe wie viele andere erst in Vorkasse gehen. Nur ein Drittel davon sei bisher nachfinanziert worden, wie Schreiber berichtet. Von den vom Bund bereitgelegten 1,5 Millionen Euro hätten sie bisher keinen Cent gesehen. „Dafür müssten wir alles offenlegen.“

„Unsere Arbeitenden haben das alle so toll gemacht. Bisher konnten wir ihnen aber nur einen Gutschein geben. Ich würde den Behinderten so gern etwas für ihre harte Arbeit geben“, beklagt der Lebenshilfe-Chef.

Von Angern stimmte ihm zu und erklärte: „Es werden viele vergessen, die etwas geleistet haben.“ Sie wolle in der heutigen Sitzung des Sachsen-Anhalter Landtags in Magdeburg auch über Corona-Prämien sprechen, kündigte sie an.

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