Sozialagentur finanziert oft zu wenig

Lebenshilfe: Behinderte wünschen sich Einzelzimmer

Schreiber steht mit den Gästen im Gemeinschaftsraum des neuen Wohnheims. Vor ihnen ist ein langer Esstisch zu sehen, hinter ihnen die große Küche.
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Lebenshilfe-Chef Martin Schreiber (m.) zeigte den Besuchern den auch für Rollstuhlfahrer gestalteten Gemeinschaftsraum. Nicht im Bild: die nicht finanzierte Sitzecke.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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Sichtlich froh über den baldigen Abschluss des neuen Wohnheims in Tangerhütte ist Martin Schreiber, Geschäftsführer der Lebenshilfe Region Stendal, schon. Doch etwas trübt die Stimmung: Nur zwei Drittel der Kosten für den Neubau werden durch die Sozialagentur übernommen.

Tangerhütte - Immer wieder scheint es Probleme mit den Kosten zu geben. „Ein Drittel ist angeblich zu teuer gebaut. Wir haben knapp eine Million in das Gebäude gesteckt“, erklärt Schreiber, als die Landtagsabgeordnete Eva von Angern (Linke) die Tangerhütter Einrichtung besucht. Dabei arbeite die Lebenshilfe immer mit denselben fünf Architekten zusammen, von denen sie wüssten, dass sie das günstigste Angebot wählen. „Es gibt keine billigere Variante, wie das Land behauptet“, bestärkt der Chef.

Vor allem im Bereich des für Menschen mit Behinderung angemessenen Wohnens scheint es immer wieder Probleme mit der Finanzierung zu geben. Für den neuen Bau in Stendal beispielsweise ist bisher nur eine Ein-Drittel-Finanzierung bestätigt (AZ berichtete).

Das neue und nun dritte Wohnheim auf dem Gelände der Lebenshilfewerkstätten in Tangerhütte sei gebaut worden wegen des Abbaus von Zweibettzimmern in dem Nachbarwohnheim, in dem derzeit 30 Behinderte wohnen. „Viele der Bewohner kennen sich nicht und wollen lieber allein leben.“ Es hätten viele Gespräche stattgefunden. Das neue Wohnheim hat nun zehn Einzelzimmer – vier davon für Rollstuhlfahrer – die mit kleinen Kochstellen und eigenen Bädern fast wie Ein-Zimmer-Wohnungen wirken.

Wie eine Angestellte berichtet: „Bei einer ersten Besichtigung mit Bewohnern waren ihre ersten Themen gleich die tollen Einbauschränke und das eigene Bad. Da ist für uns das Fazit: Wir haben alles richtig gemacht.“ Auch Schreiber betont, wie sehr Bewohner in Plattenbauten in Tangerhütte und der Kreisstadt ihre Einzelzimmer lieben würden.

„Unser zentrales Problem mit der Sozialagentur ist die Kostensenkung. Das ist, als würden sie Angst haben, dass wir das Geld abspecken“, erklärt der Chef. „Vom Land bekamen wir gesagt, dass wir doch bitte prüfen sollen, ob nicht Zwei- oder gar Dreibettzimmer in dem neuen Wohnheim möglich sind.“ Dabei gehe es doch um den einzelnen Menschen.

Als weiteres Beispiel zeigte Schreiber den Besuchern den Gemeinschaftsraum im neuen Haus. Darin befindet sich neben einer weitläufigen Küche und einem großen Esstisch auch eine kleine Sitzecke. „Die Größe der Küche wurde bemängelt, obwohl sie dafür ausgelegt ist, dass auch die Rollstuhlfahrer beim Kochen helfen können. Und es wurde gesagt, dass ein Drittel, also der Wohnzimmerbereich, nicht mitfinanziert wird.“

Er wünsche sich eine Beteiligung der Leistungsbringer wie der Lebenshilfe auf Augenhöhe. „Ich würde mir wünschen, dass es ein Strategiegespräch gäbe. Wir wollen nicht einfach Geld holen, wir wollen einen Plan.“ Sonst werde ihnen dieser immer nur vorgesetzt.

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