Strafanzeige gegen Milchviehbetrieb in Demker gestellt

Landkreis weist Vorwürfe der Tierschützer zurück

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In dem Milchviehbetrieb der Geven-Rabelink GbR wollen Tierschützer tote Kühe und Kälber vorgefunden haben. Sie belegen ihre Beschuldigungen mit Videomaterial und bezichtigen das Veterinäramt der Untätigkeit.

Stendal/Demker. Ein Milchviehbetrieb aus Demker ist derzeit in aller Munde. Die Soko Tierschutz aus Augsburg will dort gravierende Mängel bei der Tierhaltung festgestellt haben.

Tote, zum Teil stark verweste Kadaver von Kühen sollen sich in und außerhalb der Ställe befinden. Doch nicht nur das Unternehmen wird von den Tierschützern an den Pranger gestellt. Auch das Veterinäramt des Landkreises Stendal steht unter Beschuss. Die Anschuldigung: Untätigkeit. Der Landkreis bezieht Stellung zu den Vorwürfen.

In einer offiziellen Pressemitteilung weist der Landkreis die Beschuldigungen, seiner Kontrollpflicht nicht nachgekommen zu sein, zurück. Weder die reguläre Kontrolle des Betriebs am 29. Januar, noch die unangekündigte Nachkontrolle am 9. April soll gravierende kritische Befunde zutage gebracht haben.

Der Kreis räumt ein, „dass der Betrieb kein Vorzeigebetrieb ist. Er ist dem Landkreis durch Verstöße in verschiedenen Fachrichtungen bekannt und wurde diesbezüglich auch bereits mehrfach sowohl ordnungs- als auch verwaltungsrechtlich belangt“. Zwar wäre der bauliche Zustand der Anlage sanierungsbedürftig, die Tierhaltung sei allerdings noch zulässig.

Nichtsdestotrotz sei die Behörde an Rechtsvorgaben gebunden. „Wir hätten uns gewünscht und erwartet, dass Soko Tierschutz, wie andere Tierschutzorganisationen auch, bei den ersten Feststellungen direkt und offen auf uns zugekommen wäre“, gibt der Kreis zu bedenken. Ohne klare Hinweise seien auch im Rahmen des Tierschutzes Sanktionen rechtlich vage und nicht beweisbar. Die ersten Anrufe, in denen die Missstände in der Tierhaltung angezeigt wurden, sollen anonym erfolgt sein. Die Angaben wären teilweise lückenhaft und nicht vollständig schlüssig, so die Aussage der Pressemeldung. Da der Anrufer seine Rufnummer unterdrückte und keine Angaben zur Person hinterließ, seien Rückfragen seitens des Veterinäramts nicht möglich gewesen.

Das belastende Videomaterial der Soko Tierschutz soll dem Veterinäramt bislang nicht zur Verfügung gestellt worden sein, so der Landkreis (Stand: 16. Mai). Stattdessen habe der Kreis die Filmsequenzen der Sendung „Stern TV“ vom 9. Mai herangezogen. Die Aufnahmen sollen erhebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentieren. Der Landkreis Stendal hat nun Strafanzeige gegen den Milchviehbetrieb gestellt.

Allerdings nicht nur. Seit Ausstrahlung des Videomaterials vom 9. Mai erhalte der Landkreis unter anderem Gewaltandrohungen gegen Mitarbeiter. Nun sollen Strafanzeigen gegen die Absender erfolgen. „Die Kampagne der Soko Tierschutz hat das Wohl der Tiere im Blick und nimmt durch die praktizierte Handlungsweise billigend in Kauf, dass unter dem Motto Tierschutz nunmehr Menschen bedroht werden“, heißt es in der Pressemeldung.

Von Laura Kühn

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