Stadtrat will Studie zum Nutzungskonzept / Kinszorra: Grabenkämpfe beenden

Kulturhaus Tangerhütte: Alles auf Anfang

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Projektvorstellung der Studenten, Februar 2016: Der Entwurf von Jimmy Awad und Tarrek Kabbani, hier im Gespräch mit Stadtrat Peter Jagolski (v.l.), gefiel am besten.

Tangerhütte. Studenten aus Dessau werden nicht weiter an Konzepten für die Sanierung des Tangerhütter Kulturhauses arbeiten. Einen Beschluss, der das vorsah, hob der Stadtrat der Einheitsgemeinde jetzt auf Antrag von Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) auf.

Projektvorstellung der Studenten, Februar 2016: Der Entwurf von Jimmy Awad und Tarrek Kabbani, hier im Gespräch mit Stadtrat Peter Jagolski (v.l.), gefiel am besten.

Eine Weiterbearbeitung der Planungen sei aus Kapazitäts- und Personalgründen nicht möglich, habe der zuständige Professor Rudolf Lückmann mitgeteilt, hieß es zur Begründung. Es klang wie ein Traum und letztlich war es wohl auch einer: Studenten des Studiengangs „Baulicher Denkmalschutz“ der Hochschule Anhalt hatten Anfang vergangenen Jahres im Rahmen ihrer Semesterarbeit Vorschläge erstellt, was sich aus dem Haus machen lässt. Aus den elf Entwürfen wurden im Rahmen eines Wettbewerbs zwei Favoriten gewählt, die anschließend weiter entwickelt und umgesetzt werden sollten. Daraus wird nun nichts.

Stadtrat Wolfgang Kinszorra (SPD), der die Zusammenarbeit mit der Hochschule initiiert hatte, ist dennoch zufrieden. Jahrelang habe man versucht, mit dem Kulturhaus voranzukommen. Nun lägen Ideen und Entwürfe von international anerkannten Fachleuten vor. Die Studenten, die aus China, Thailand, Afghanistan, Syrien, Guatemala und Bangladesch stammen, hatten meist zuvor bereits in Ingenieurberufen gearbeitet. Konkrete Bau- und Kostenplanungen hätte ohnehin nur ein anerkanntes deutsches Ingenieurbüro erarbeiten dürfen.

Wie geht es nun weiter? Zunächst alles auf Anfang. Der Stadtrat beschloss, Mittel für die Erstellung einer „betriebswirtschaftlichen Betrachtung einer möglichen Konzeption für das Kulturhaus“ über das Leader-Förderprogramm zu beantragen. Dafür sind 12 000 Euro (Eigenanteil der Stadt 2400 Euro) veranschlagt. Nachdem geklärt ist, ob und wie sich die Sanierung des Hauses rechnet, könnte sich die Kommune gegebenenfalls um weitere Fördermittel von Bund und Land für Planung und Sanierung bemühen. Bis dahin dürfte ein weiteres Jahr ins Land gegangen sein.

Kinszorra forderte, bei den Überlegungen nicht ausschließlich die Kosten in die Waagschale zu werfen. „Kultur ist immer ein Zuschussgeschäft“, sagte er.

Auch solle der Erhalt des „Neuen Schlosses“ nicht in Konkurrenz zum Kulturhausprojekt gesehen werden. Immer wieder hatte sich im Stadtrat daran Streit entzündet. Beide Gebäude seien für die Stadt gleich wichtig, mahnte er und forderte die jeweiligen Verfechter auf: „Hört endlich mit den Grabenkämpfen auf!“

Von Christian Wohlt

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