Disco-Veranstaltung wird erhofft – aber Dilemma um Schankrecht

Kulturhaus: Wer darf an den Zapfhahn?

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Eine der größeren Veranstaltungen im Kulturhaus, die Silvesterparty lässt den großen Saal immer wieder voll werden. Hier könnten aber auch Veranstalter Musik für jüngere Leute machen. Ein Knackpunkt bleibt derzeit das Schankrecht.

Tangerhütte. Es ist ein wenig Ironie: In Tangerhütte steht einer der größten Veranstaltungsräume der Region. Der Saal wäre ideal, um Disco-Abende zu veranstalten.

Das finden zumindest DJs wie etwa Alexander Leiffert – er und sein Kollege Eike Bräsel würden gern auch im Kulturhaus Disco machen. Und ausgerechnet in diesem Saal ist das nach derzeitigem Stand nicht realistisch machbar.

Es stehen sich einige Punkte gegenüber. Die Disco-Macher müssen sich die Veranstaltung leisten können. Um dafür nicht die Eintrittspreise hochschrauben zu müssen, macht für sie nur Sinn, bei den Veranstaltungen Getränke auszuschenken – allein, um die Kosten zu decken, sagt Leiffert. Aber das dürfen sie nicht. Das Schankrecht liegt bei Kulturhaus-Gastwirt Werner Jacob. Er hat seit 2010 einen zehnjährigen Vertrag mit der Stadt, dass er die Gaststätte betreibt. Dafür hat er auch das Inventar übernommen. Zu dem Zeitpunkt war das eine Erleichterung für die Stadt, wie Ortschaftsbürgermeister Gerhard Borstell im AZ-Gespräch betont. Sonst hätte das Kulturhaus ohne Bewirtschaftung dagestanden. Dem von Vielen goutierten Vorhaben der jungen Veranstalter steht das nun im Wege: „Mir ist laut Mietvertrag eine Untervermietung nicht gestattet“, sagt Werner Jacob auf Anfrage. Die gezielte Nachfrage nach Ausnahmen für wenige Veranstaltungen im Jahr beantwortet er ebenso: laut Mietvertrag nicht möglich. Disco-Veranstaltungen im Kulturhaus seien sehr wohl möglich. Aber: „Es ist nicht üblich, Künstlerangebote mit Ausschankforderungen zu verknüpfen, man könnte auch sagen unseriös“, erklärt Jacob. Gaststättenbetreiber in ähnlicher Position wie er bestätigen der AZ, dass eine solche Konstellation zumindest unüblich wäre.

Disco-Veranstalter Alexander Leiffert will den Eindruck vermeiden, dass man Jacob „herausdrängen“ wolle, betont er. Er unterstreicht aber auch, dass die Machbarkeit seiner Angebote von akzeptablen Eintrittspreisen abhänge – die für ihn durch das Vertrauen seiner Stammkundschaft und eben den Ausschank kaufmännisch möglich werden. Er will das Angebot aufrecherhalten, das Kulturhaus für jugendliches Publikum zu beleben und will verhandeln.

Die beiden Parteien werden das künftig auch mit der Verwaltung der Einheitsgemeinde beraten müssen. Bürgermeister Andreas Brohm gibt sich derzeit zurückhaltend. „Wir müssen uns zusammensetzen und planen, wie man die Potenziale des Hauses optimal ausnutzt“, sagt er. Bei einem „ständigen Begleiter“ eines Veranstaltungshauses sehe er auch eine Aufgabe, das Programm mitzuentwickeln und gesprächsbereit zu sein.

Von Kai Hasse

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