„So erreichen wir doch jedes Kind“

Kreispolitikerin Edith Braun fordert mehr Schulküchen und kostenfreies Essen

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Cathleen Hamel (v.l.) und Gabriele Lindekugel erledigen erste Arbeiten des Tages. Edith Braun schaut kurz zu.

Lüderitz – „Wir müssen flächendeckend Schulküchen einrichten“, fordert Edith Braun. Die Kreispolitikerin würde am liebsten die gesamte Essensversorgung umkrempeln.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Träger von Schulen und Kindertagesstätten eigene Küchen haben und dürfen das Kochen nicht der privaten Wirtschaft überlassen“, ist sie im Gespräch mit der AZ überzeugt.

Und überhaupt: Der Mittagstisch sollte kostenlos oder zumindest grundlegend anders finanziert sein. Die 68-Jährige sieht mehr denn je Kommunen, Landkreis und Bund in der Pflicht. Letztgenannter könnte ein Teil des Kindergeldes fest an diese Aufgabe binden. „So erreichen wir doch möglichst jedes Kind. “.

Braun weiß von Zuschüssen für Kinder aus wirtschaftlich schwachen Familien. „Doch manchmal sind Eltern aus den verschiedensten Gründen nicht in der Lage, einen Antrag auszufüllen. Die Kinder sitzen dann zu Mittag in der Ecke und schauen in ihre Brotbüchse, die vielleicht schon seit dem Frühstück leer ist.“

Die einstige Sozialdemokratin arbeitet seit fast 30 Jahren im Kreistag und zieht nun für Pro Altmark in das neu gewählte Kommunalparlament ein. Die Lüderitzerin war jahrelang Vorsitzende des Sozial- und des Schulausschusses. Für Veränderungen in der Essensversorgung ging sie immer wieder in die Offensive. Ohne entscheidenden Erfolg. Das soll nicht so bleiben. Braun gibt sich kämpferisch.

„Kinder ernähren sich oft ungesund und greifen immer häufiger zu Fast Food“, glaubt sie, ohne auf die Schnelle konkrete Zahlen nennen zu können. „Kinder essen zu viel Fett und zu viel Zucker.“ Schulessen müsse ausgewogen, schmackhaft und abwechslungsreich sein. „Gesunde Zutaten und Geschmack müssen kein Widerspruch sein.“ Der Versorgung durch externe Anbieter wolle und könne sie nicht überall im Landkreis ein schlechtes Zeugnis ausstellen, doch all zu viel Gutes habe sie noch nie darüber gehört. Regelmäßiges gemeinsames Essen sei übrigens auch noch aus einem anderen Grund wichtig: „Es erzeugt Sozialkompetenz. Man darf nicht so laut sprechen, man muss sich ordentlich hinsetzen ...“

Die Lüderitzer Ortsbürgermeisterin kennt zwei Schulküchen im Landkreis, eine befindet sich in der Osterburger Ortschaft Flessau und eine in Lüderitz. „Es sollten mehr sein.“ Die 1960 eingeweihte Bildungsstätte in der Tangerhütter Ortschaft verfüge von Anfang an über eine eigene Küche.

Mit der politischen Wende in Ostdeutschland änderten sich die Vorschriften, Anfang der 1990er-Jahre wurde die Küche für 130 000 DM saniert. Damals waren die politischen Einheiten im Tangerland noch andere. Dass die 2010 gegründete Einheitsgemeinde Tangerhütte den schuleigenen Herd in Lüderitz nicht hat ausgehen lassen, sei klug gewesen. „Das Angebot in dieser Form ist eine freiwillige Aufgabe für die Kommune.“

Gabriele Lindekugel ist seit 1990 dabei. „Sie weiß, was den Kindern schmeckt“, glaubt Braun. Der Köchin ist so viel Lob in dem Moment unangenehm, sie rückt ihre Kollegin Cathleen Hamel mit ins Licht. Beide bereiten täglich allein mindestens 130 Essen für die Grundschule und den örtlichen Kindergarten zu. „Wir kochen täglich frisch, Rohkost gibt es oft als Beilage dazu. Fertigprodukte kommen uns nicht auf den Tisch.“ Und ja, natürlich paniere sie das Fleisch auch selbst, reagiert Lindekugel fast ein wenig beleidigt auf eine Frage des Reporters. Die eine arbeitet 28 Stunden in der Woche, die andere 30, da müsse jeder Handgriff sitzen, auch beim Putzen. Früher seien einmal sechs Mitarbeiter dort zugange gewesen.

VON MARCO HERTZFELD 

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