Vortrag von Michael Nagler in Tangerhütte: Bei Vergiftungen kein Erbrechen herbeiführen

Kleinkinder am häufigsten betroffen

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Tangerhütte. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn der eigene Nachwuchs anfängt, mobil zu werden und auf Entdeckungsreise geht, sollte man seine Wohnung kindersicher gestalten. Aus der Krabbelperspektive finden sich einige Stellen, die aus der Erwachsenenperspektive nicht leicht entdeckt werden.

Im Badezimmerschrank sind häufig die Reinigungsmittel untergebracht, die für Kinder sehr verlockend wirken können. Der Schrank wird meist mit einem Sicherheitsriegel versehen, sodass die Kleinen dort nicht ran können. Viele aber denken dabei nicht an Zimmerpflanzen oder den Garten. Auch dort lauern Gefahren. „Es gibt in der Natur nichts, das ungiftig ist. Wir verwenden diese Gifte in therapeutischen Dosen, so sind sie wirksam gegen Krankheiten, aber zuviel kann tödlich sein“, erklärt Michael Nagler, Inhaber der Adlerapotheke, in seinem Vortrag den anwesenden Eltern. In Zusammenarbeit mit den Kindern der Jugendrotkreuzgruppe, die sich einmal die Woche Donnerstagnachmittag im Freizeitzentrum Schüler- und Jugendclub in Tangerhütte trifft, und der Leiterin Eileen Wolf-Köppe wurde das Thema Vergiftung angesprochen. Nagler zeigte, dass viele giftige Pflanzen in den Wohnungen und Gärten gedeihen. Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren seien bei Vergiftungen am häufigsten betroffen.

Bei Unfällen mit Medikamenten und Haushaltsmitteln sei die Zahl doppelt und bei Vergiftungen durch verzehrte Pflanzen vier Mal so hoch. Zu den giftigsten Zimmerpflanzen gehören das Alpenveilchen und die Dieffenbachie. Ficus, besser bekannt als Gummibaum, Korallenbäumchen und Weihnachtsstern sind schwach giftig. Grünlilie, Hibiskus, Mimose, Rosen, Usambaraveilchen, Wachsblume, Weihnachtskaktus und Zimmerlinde – diese Pflanzen können unbedenklich die Wohnungen verschönern. Aber nicht nur in der Wohnung, sondern auch auf Balkon, Terrasse oder im Garten lauern giftige Exemplare, wie blauer und gelber Eisenhut, Engelstrompete, schwarzes Bilsenkraut, Goldregen, Fingerhut und Rizinus. Bei Rizinus reicht ein Samen aus, um für Kinder tödlich zu sein. Auch Heckenkirsche und Tollkirsche sind sehr giftig. Ebenso gefährlich sind einige Nutzpflanzen in ungekochtem oder unreifem Zustand. Dazu zählen rohe Bohnen, unreife Tomaten, rohe Holunderbeeren oder die oberirdischen Pflanzenteile der Kartoffel.

Vorbeugung ist hier immer die beste Option und es gibt einige Dinge, die Eltern tun können. Beim Einkauf ist auf kindersichere Verschlüsse zu achten. Getrennte Aufbewahrung der Lebensmittel von Arznei- und Haushaltsmitteln gehört ebenso dazu, außerhalb der Reichweite von Kindern. Reste gefährlicher Stoffe sollten nicht in harmlose Verpackungen wie Getränkeflaschen umgefüllt werden, erklärte der Fachmann. Sonst entstehe die Gefahr der Verwechslung. Auf giftige Pflanzen sollte ganz verzichtet werden. Eltern müssen immer die Giftnotrufnummer (0361) 73 07 30 griffbereit haben. Sollte es doch zu einer Vergiftung durch eine unbekannte Substanz kommen und folgende Symptome wie zentralnervöse Störungen, Atemnot, Herzkreislaufprobleme, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auftreten, sollte der Notruf gewählt werden.

Atmung und Kreislauf müssen überwacht und aufrechterhalten und Reste des vermeintlichen Giftstoffes (dazu gehören Erbrochenes oder Exkremente) für die Diagnose aufgehoben werden. 300 ml Wasser können zur Verdünnung zum Trinken geben und Aktivkohle zur Verhinderung der Giftaufnahme verabreicht werden. Das provozierte Erbrechen, eine Magenspülung oder die Darmentleerung sollte nur der Arzt machen, weil die Speiseröhre verletzt werden könnte. Bei Vergiftungen an der Haut müsse die Kleidung entfernt und die betroffenen Stellen mit lauwarmen Wasser und Seife gereinigt werden. „Sind Augen betroffen, spülen Sie diese zehn Minuten unter fließendem Wasser.“ Informationen gibt es auf www.gizbonn.de.

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