INDUSTRIESTRAßE Hoffnung für historisches Pflaster in Tangerhütte

Glanz und Elend einer Straße

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Die Reste des vor zwei Wochen zusammengefallenen Gebäudes in der Industriestraße sind inzwischen abgetragen. Die Beräumung der Fläche koste rund 40.000 Euro.

Die Tangerhütter Industriestraße vermittelt ein jämmerliches Bild. Noch immer ist der Schuttberg des einstigen Hüttenkontors unberäumt.

Tangerhütte – Vor Kurzem stürzte ein anderes baufälliges Gebäude in sich zusammen. Fahrbahn und Gehwege sind marode. Zumindest im mittleren Abschnitt der Straße scheint der Verfall um sich zu greifen. Doch es gibt Hoffnung.

„Wir haben das Objekt jetzt gesichert“, berichtet Gerd Wetzig, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG), der das zusammengefallene Haus mit der Nummer elf gehört. Rund 40 000 Euro kalkuliert der Geschäftsführer dafür ein. Vor einem Abriss, der ebenfalls seit Langem leer stehenden Nachbargebäude, müsse jedoch erst die Denkmalschutzbehörde grünes Licht geben. Doch das könne dauern, weiß Wetzig. Am Denkmalschutz scheitere letztlich oft der Versuch, historische Bausubstanz zu erhalten. Die Auflagen für einen modernen Um- und Ausbau solcher Objekte seien zu hoch, klagt der SWG-Chef. Blieben Leerstand und Verfall.

Nicht alle Häuser sind verfallen: Meisterhäuser und Kutscherhäuser glänzen als schmucke Eigenheime.

Dabei gebe es durchaus Interessenten, die die einstige Hüttensiedlung mit neuem Leben erfüllen und zu einem Schmuckstück machen wollen. Ein ortsansässiger Investor habe vor, anstelle der alten Gebäude im Mittelabschnitt der Straße, schmucke Eigenheime zu errichten. Die SWG möchte ihm die betreffenden Grundstücke verkaufen. Zuvor müsse jedoch das Gelände beräumt sein. Die Kosten sollen durch den Verkaufserlös refinanziert werden.

Die Industriestraße ist aber nicht nur ein Sorgenkind. Es gibt auch Positives. Die sogenannten Kutscherhäuser im hinteren Bereich wurden von ihren privaten Besitzern in schmucke Wohnimmobilien verwandelt. Auch einige der Meisterhäuser erstrahlen in neuem, altem Glanz. Vor einigen Jahren machte die Wohnungsgesellschaft mit einem ambitionierten Projekt überregional von sich reden. Die Wohnblocks aus den 1950er Jahren wurden zu modernen Niedrigenergiehäusern umgebaut, mehr als eine Million Euro dafür investiert.

Durch ihre ruhige Lage, direkt am Park und dennoch zentrumsnah, wäre die Industriestraße eine der attraktivsten Wohngegenden Tangerhüttes. Nur leider stimmt das bauliche Umfeld nicht. Die Stadt müsse sich mehr um dieses Gebiet kümmern, Fahrbahn und Gehweg in Schuss bringen, fordert Wetzig. Auch die der Kommune gehörende Ruine des früheren EOS-Internates gehöre längst weg.

Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm (parteilos) kennt das Problem, muss aber angesichts klammer Haushaltskassen und zu erwartender erheblicher Abrisskosten mit den Schultern zucken. Ihm wäre eine Investorenlösung recht. Bis auf die alten Industriehallen habe die Straße bisher nicht im Fokus der Stadtpolitik gestanden. Vorhandene Fördertöpfe wurden für andere Projekte in der Stadt, wie zum Beispiel das Stadtumbaugebiet Nord-Ost eingesetzt. Zumindest werde nach dem Verkauf der Industriehallen nun deren denkmalgeschützte Fassade bald in neuem Glanz erstrahlen.

VON CHRISTIAN WOHLT

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