Früheres Hütten-Kontor abgerissen / Werkshallen nur noch schwer zu retten

Industrielles Erbe in Tangerhütte liegt in Trümmern

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Das Eisenwerk ist nach der Wende geschrumpft, Hallen stehen leer. Das Kontorgebäude liegt in Trümmern.

Tangerhütte – Das ganze Elend liegt nun schon ein halbes Jahr. Das frühere Kontorgebäude der alten Tanger-Hütte ist im September abgerissen worden.

Der Schriftzug bezeugt Industriegeschichte.

„Von dem Gebäude ging eine akute bauliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus“, informiert Angela Vogel auf Nachfrage der AZ. Ein Zaun umgibt den großen Schuttberg an der Industriestraße. Die Kosten belaufen sich bereits auf mindestens 22 000 Euro. Für die Entsorgung der Trümmer müsste der Landkreis Stendal noch einmal mit schätzungsweise circa 140 000 Euro in Vorkasse gehen. Die weiteren Schritte zur Beräumung werden der Kreissprecherin zufolge derzeit noch geprüft. 

Ein Blick in eine der Hallen, es herrscht das Chaos.

Das Gelände befinde sich in Privatbesitz. „Eigentum verpflichtet und somit ist originär der Grundstückseigentümer für den ursprünglich vorgefundenen Zustand verantwortlich“, stellt Vogel klar. „Die Einheitsgemeinde Tangerhütte hat hier keine Versäumnisse zu verantworten.“ Sie habe pflichtgemäß gehandelt und den Landkreis auf den desolaten Zustand hingewiesen. In der Sprache der Behörden heißt das Ganze recht sperrig Gefahrenabwehrmaßnahme. Das Kontorgebäude stand unter Denkmalschutz, das zuständige Fachamt in Stendal sei natürlich in das Verfahren einbezogen worden. Ein Kontor meint Zentrale oder Büro.

Im großen Rest der ausrangierten alten Tanger-Hütte, 1842 bis 1844 erbaut, sieht es nicht viel besser aus. In den Werkshallen war kurz nach der politischen Wende im Osten Schluss. Die Gebäude zerfallen zusehends, allein die Fassaden machen einen noch einigermaßen stabilen Eindruck, zumindest auf den ersten Blick. Kreissprecherin Vogel hat für die Situation nur ein Wort: „besorgniserregend.“ Was aus dem Areal der Stadt werden soll, scheint wieder unklarer. Immer wieder einmal war von einem Veranstaltungszentrum die Rede, von Konzerten und Märkten, die dort stattfinden könnten. Der Verein „Aus einem Guss“ legte ein Konzept vor.

Skeptiker könnten in dem Abriss des Kontorgebäudes den Anfang vom Ende des gesamten Ensembles sehen. Die Ordnungsverfügung des Landkreises lässt sich auch wie eine kleine Kapitulationserklärung lesen. Rückwände waren eingebrochen, eine Decke, ja sogar Teile des Daches. Das Fachwerk zur Straße hin wurde nur noch durch die Querwände gehalten. Dachziegel hatten sich gelöst und fehlten, das Haus stand seit vielen Jahren leer und war nicht mehr ausreichend vor Wind und Wetter geschützt. Das Gebäude konnte laut der Bauaufsicht nicht mehr gefahrlos betreten werden.

VON MARCO HERTZFELD

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