Eine Hütte als Touristenmagnet

Industriekultur: Ruhrgebiet könnte Vorbild für Tangerhütte sein

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„Glück auf“ prangt auf den alten Gießereihallen in Tangerhütte, welche dem Verfall preisgegeben sind. Das frühere Hochofenwerk Duisburg-Meiderich ist heute Teil eines Landschaftsparks und zeigt, was aus dem alten Hüttengelände werden könnte.

Tangerhütte/Ruhrgebiet – Tangerhütte und seine Industriegeschichte: ein trauriges Kapitel. Seit fast 30 Jahren sind die alten Gießereihallen dem Verfall preisgegeben. Mit einem kühnen Projekt setzt sich der Verein „Aus einem Guss“ nicht nur für den Erhalt der historischen Fassade ein.

Dahinter soll ein modernes Veranstaltungszentrum entstehen. Die Kosten liegen, laut einer Studie, bei knapp sechs Millionen Euro. Die Umsetzung ist ungewiss.

Die Idee ist kühn, aber nicht verrückt. Im Ruhrgebiet lässt sich erahnen, was aus dem alten Hüttengelände werden könnte. Voraussetzungen sind viel Geld und der politische Wille. Seit dem Ende der 1980er Jahre, als der Niedergang des Bergbaus immer weiter fortschritt, wird in dieser ehemaligen Kohle- und Stahlhochburg umgedacht. Zechen, Kokereien, Hochöfen, Eisenhütten, nur knapp dem Abriss entgangen, prägen bis heute das Gesicht der Region. Mittlerweile werden viele dieser Kathedralen der Arbeit neu genutzt.

Das bekannteste Beispiel ist die Zeche Zollverein in Essen, auf deren Gelände sich Museen niedergelassen haben und die zu einer Bühne für Veranstaltungen geworden ist. Mit seinen Hochöfen und Gießereihallen vermittelt der Landschaftspark Duisburg-Nord das traditionelle Bild einer Industrieanlage der vorigen Jahrhundertwende. Es ist die Zeit, in der auch die Hütte am Tanger erblühte. Das stillgelegte Thyssen-Hochofenwerk Duisburg-Meiderich war um ein Vielfaches größer. Dem Besucher aus der Altmark kommt dort manches vertraut vor.

In der Kulisse des Meidericher Hüttenwerks bieten Gebäude und Freiräume für bis zu 15 000 Personen heute Möglichkeiten für ein vielfältiges Veranstaltungsgeschehen. Im Landschaftspark finden Ausstellungen, Dreharbeiten, Empfänge, Feste, Firmenfeste, Fotoshootings, Galas, Konzerte, Meetings, Messen, Open-Air-Kino, Produktpräsentationen, Seminare, Sportevents, Tagungen, Theaterproduktionen, Workshops und vieles mehr statt.

Beide, Zeche und Hütte, sind Stationen der 25 Ankerpunkte umfassenden Route der Industriekultur. Sie erschließt auf 400 Kilometern Straßenrundkurs und 700 Kilometern Radwegenetz das Industrieerbe des Ruhrgebiets. Der Tourismus blüht. Zig Millionen Euro flossen insgesamt in den Strukturwandel der heutigen Metropol-Region. Darauf können die Tangerhütter und der Verein „Aus einem Guss“ nicht hoffen. Das Beispiel zeigt aber, dass scheinbar Unmögliches, manchmal doch möglich ist.

VON CHRISTIAN WOHLT

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