Tierschützerin Neumann (77) bringt Grundschülern stachlige Gesellen nah

Der Igel ein Katzenschreck

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Hannelore und Heinrich Neumann holen ihre Schützlinge aus dem Korb. Ihre Ausführungen sind Teil der Igelwerkstatt, die Lehrerin Jaclin Holländer und Kollegen organisiert haben. Dazu gehören auch Liederreigen, Basteleien und eine Naturwanderung.

Grieben. „Der Igel liebt die Ruhe, ansonsten zeigt er sein Gesicht nicht. “ Von einer Sekunde auf die andere ist es im Klassenraum mucksmäuschenstill. Hannelore Neumann (77) ist besonders im Jerichower Land als „Igelmama“ bekannt.

Nun macht sie sich auch mehr und mehr in der Ostaltmark für die kleinen Säugetiere stark. In ihrer Auffangstation in Tucheim, einem Ortsteil der Stadt Genthin, leben derzeit mehr als 40 dieser stachligen Gesellen. Viele von ihnen sind verletzt, von Parasiten gezeichnet oder schlichtweg noch nicht schwer genug für einen Winterschlaf im Freien. Zwei dieser Leichtgewichte, Oscar und Felix, hat die Tierschützerin, begleitet von ihrem 90-jährigen Ehemann Heinrich, den Zweitklässlern vorgestellt. Keiner der beiden Igel bringt die mindestens nötigen 500 Gramm auf die Waage.

„Wer hat denn schon einmal einen Igel draußen in der Natur gesehen?“ Viele Arme schnellen nach oben. „Und wer hat bereits einen Igel angefasst?“ Fast alle Hände gehen wieder hinunter. An diesem Vormittag können die Kinder den vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tieren so richtig nahekommen. „Doch Vorsicht! Es sind und bleiben Wildtiere“, warnt Neumann. Ein Igel komme bereits mit bis zu 100 Stacheln auf die Welt. Anfangs noch weich und biegsam, gewinnen sie mehr und mehr an Härte. Ein ausgewachsener Igel bringt es mitunter auf 8000 Stacheln und mehr. Außerdem stehen ihm 36 Zähne zur Verfügung, mit denen er im Ernstfall durchaus zubeißen könne, weiß die Tierschützerin offenbar auch aus eigenem Erleben. Des Igels Stacheln und Zähne halten draußen vielleicht freilaufende Katzen auf Abstand, während er sich deren Futter schmecken lässt. Gegen die Attacken von Fuchs, Marderhund und anderen größeren Räubern habe der Igel aber kaum eine Chance. „Da hilft selbst das berühmte Zusammenrollen nicht mehr.“

Wenn der Igel eine feuchte Nase hat, ist er gesund. So gesehen, arbeitet Rentnerin Neumann jeden Tag ehrenamtlich für feuchte Nasen. Ihre Pflegefälle bewegen sich derzeit noch in einem Freigehege. Kommt der erste Frost, geht es schnell ins Warme. Zahlreiche Tiere leben zusammen, leben gut zusammen, betont die ehemalige Verkaufsstellenleiterin. „Daran sollten sich die Menschen ein Beispiel nehmen. Bei meinen Igeln geht es zu wie in einer Kommune.“ Dass weibliche und männliche Tiere gleichermaßen ausschließlich einzelgängerisch veranlagt sind und sie sich allenfalls für die Paarung verstehen, stimme einfach nicht. „Das mag so in vielen Büchern stehen. Ich beobachte anderes.“

Von Marco Hertzfeld

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