Mehrere Interessenten in Groß Schwarzlosen

Früheres Rittergut steht am Scheideweg

Vor dem einstigen Kinderheim ins Groß Schwarzlosen steht eine alte Tischtennisplatte.
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Aus dem einstigen Herrenhaus wurde ein Kinderheim. Tischtennisplatten und ein Spielplatz dürften von dieser jüngeren Vergangenheit zeugen. Die Zukunft des Geländes in Groß Schwarzlosen scheint derweil noch einigermaßen ungewiss.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Rittergut, Herrenhaus und Kinderheim: Der Komplex im Lüderitzer Ortsteil Groß Schwarzlosen steht seit mehreren Jahren leer. Versuche, ihn neu beleben zu lassen, scheiterten. Das einstige Herrenhaus steht nach wie vor auf der Verkaufsliste die Stadt Tangerhütte. Es soll mehrere Interessenten geben.

Groß Schwarzlosen – Die Einheitsgemeinde will das einstige Herrenhaus in Groß Schwarzlosen veräußern, mal wieder oder immer noch. „Das Objekt steht zum Verkauf, aktuell gibt es verschiedene Interessenten“, heißt es auf AZ-Anfrage aus dem Büro des Bürgermeisters in Tangerhütte. „Das Findungsverfahren läuft noch.“ Offenbar ist einiges in Bewegung geraten, wenngleich es auch nicht das erste Mal wäre. „Das Ziel ist die Sanierung des Herrenhauses und die Schaffung von weiteren Wohnbauflächen.“ Und: „Grundsätzlich ist der Prozess ergebnisoffen und die Gremien haben über die vorliegenden Konzepte zu entscheiden. Wichtig ist, dass in das Objekt investiert wird.“ Was das wann konkret bedeutet, muss sich zeigen.

Zukunftsfrage seit 2006 unbeantwortet

Das ehemalige Rittergut derer von Borstell macht einen wenig herrschaftlichen oder zumindest aufgeräumten Eindruck. Seit gut 15 Jahren steht der Komplex leer und verfällt zusehends. Zerstörungswütige haben ihre Spuren hinterlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren erste Mädchen und Jungen eingezogen, bis 2006 wurde das Objekt als Kinderheim genutzt. Mehrere Versuche wurden unternommen, um neue Nutzer zu finden. Fast auf den Monat genau vor acht Jahren war von einem Investor und altersgerechtem Wohnen die Rede. Das Herrenhaus sei 1744 vermutlich auf dem Gelände einer ehemaligen Wasserburg errichtet worden, heißt es in der kommunalen Beschreibung.

Einst Herrenhaus und später Kinderheim

Das Areal scheint ziemlich weitläufig. Es geht immerhin um circa 12.000 Quadratmeter (mehr als eineinhalb Fußballfelder) im Zusammenhang mit etwa 6900 Quadratmeter möglicher Bebauungsfläche an der Kirchstraße. Beides hänge zusammen und könne auch nur so erworben werden. Zum Ganzen gehöre auch eine Landschaftsparkanlage. Das Haupthaus Kirchstraße 13 wurde in den 1970er-Jahren umgebaut. Alles habe einen „grundhaften Sanierungs- und Modernisierungsbedarf“, lässt die Stadt auch auf ihrer Internetseite betonen. Bis Mitte August 2020 konnten bei diesem Anlauf Kaufangebote unterbreitet werden. Auf dem Gelände befinde sich nicht zuletzt noch ein Nebengebäude.

Großartige historische Bauteile des Ensembles im Lüderitzer Ortsteil sind offenbar nicht verblieben. Die einstige Schlossansicht wieder herzustellen, war Kommunalpolitikern bereits in der Vergangenheit wichtig gewesen. Auch ein Teil der Wasserfläche sollte neu zum Vorschein kommen. Der alte Baumbestand könnte davon profitieren. Ein Graben, der den adeligen Wohnsitz umgab, soll Ende der 1960er-Jahre zugeschüttet worden sein. Nach dem Leerzug 2006 haben sich offenbar Metalldiebe im Gebäude bedient, zahlreiche Rohre und Leitungen wurden demontiert und mitgenommen. Es fehlen zudem ganze Fenster, andere sind beschädigt. Den Komplex kurzerhand für den berühmten einen Euro an einen Investor abzugeben, sei auch aktuell keine Option, lässt die Stadt wissen.

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