Aus der Chronik der Wilhelm-Wundt-Schule (Teil 3) / Raumnot, Partnerschaften, Rekonstruktion

Größte Schule im Kreis Tangerhütte

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Die Schulaula in den 1950er Jahren. 1979 wurde dort eine Zwischendecke eingezogen. Offiziell sollte damit die Akustik verbessert werden, unter vorgehaltener Hand wurde von Heizproblemen gesprochen, die damit behoben werden sollten.

Die 105-jährige Geschichte der Wilhelm-Wundt-Schule steckt voller persönlicher Geschichten. Besonders interessant ist der Chronikteil, der sich mit der DDR-Epoche beschäftigt. Schließlich haben viele ihre eigene Schulzeit noch in lebhafter Erinnerung.

Mit der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 nimmt der neue Staat das Schulwesen in Beschlag. An der Wilhelm-Wundt-Schule wird die Staatsgründung mit einer Feier begangen. Der Aufbau der neuen Ordnung und ihrer Organisationen verläuft nicht reibungslos. Es gibt erheblichen Widerstand und noch immer sind die Kriegsfolgen spürbar. Die schulischen Leistungen lassen zu wünschen übrig, was sich in den Abschlussprüfungen widerspiegelt. Es gibt erhebliche Disziplinschwierigkeiten. Viele Lehrer verlassen das Land.

Appell und Maidemo – auch das gehörte zum Schulalltag: Das Foto zeigt die Demonstration zum 1. Mai 1982.

Die Verwaltungsreform 1952 bringt auch für das Schulwesen Umstellungen. Für den neuen Kreis Tangerhütte sind Verwaltungseinrichtungen zu schaffen. Die Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises wird in Räumen der Wilhelm-Wundt-Schule untergebracht. Das verstärkt den Raummangel. Am 1. September 1958 startet der „Unterrichtstag in der Produktion“ (UTP). Damit erfüllt die Schule bereits die Anforderungen einer „Allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule“ (POS). Die Wilhelm-Wundt-Schule ist Vorreiter im Kreis Tangerhütte.

Probleme bereiten weiterhin die materiellen Bedingungen. So steigt die Schülerzahl in den 1960er Jahren rapide an. Der Raummangel nimmt zu. Mit dem 1968 geschaffenen Anbau werden ein Essenraum, Räume für die Lehrer und neue sanitäre Einrichtungen geschaffen. Mit Beginn des Schuljahres 1973/74 stehen zwei neue Klassenräume im „Flachbau“ auf dem Hof zur Verfügung. In diesem Jahr unterrichten 47 Lehrer in 25 Klassen über 736 Schüler. Die Wilhelm-Wundt-Schule ist die größte und bestausgerüstete Schule des Kreises Tangerhütte.

Schulleiter Norbert Grewatsch spricht zum 75. Geburtstag.

Die drückende Enge bleibt. Erst durch den Bau einer dritten POS 1981 im Neubaugebiet entspannt sich die Situation. Es können neue Fachkabinette eingerichtet, vorhandene erneuert werden. 1979 wird in der Aula eine Zwischendecke eingezogen. Angeblich soll die Akustik dadurch verbessert werden. Es geht aber wohl eher um das Heizungsproblem. Im Jahr 1982 wird eine Patenschaft mit der Grundschule im tschechischen Policka begründet. 1988 beginnen umfangreiche Rekonstruktionsarbeiten. Der Wert der Arbeiten liegt bei 1,6 Millionen D-Mark. Davon werden zusätzlich 500 000 D-Mark nach der Währungsunion bereitgestellt.“

Von Christian Wohlt

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