Raus aus der Schmuddelecke

Graffitis mit Wahrzeichen der Stadt zieren den Tangerhütter Jugendclub

Das Neue Schloss und der Tanger schmücken den neuen Zaun des Jugendclubs am Mühlenweg. Sie sind das Ergebnis einer Projektwoche zum Thema Graffiti.
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Das Neue Schloss und der Tanger schmücken den neuen Zaun des Jugendclubs am Mühlenweg. Sie sind das Ergebnis einer Projektwoche zum Thema Graffiti.

Tangerhütte – Es ist ein Hobby aus der Schmuddelecke. Viele Leute assoziieren mit ihm den Kampf vermummter, aufmüpfiger Jugendlicher mit der Polizei, am besten nachts auf irgendwelchen Bahnhöfen.

Dabei ist das Graffiti-Sprühen eine Kunst, zu der große Portionen Kreativität und Talent gehören. Die Kinder und Jugendlichen des Tangerhütter Jugendclubs durften sie im Laufe der vergangenen Woche kennenlernen und ihre ersten eigenen Werke auf die Wand bringen.

Zu Gast waren mit Gian-Luca Höhnel (22) und Lukas Franze (22) zwei junge Künstler aus Magdeburg, die für den interessierten Nachwuchs der Tangerstadt einen fünftägigen Workshop abhielten. Neben der Vermittlung der wichtigsten Grundlagen und Fingerfertigkeiten, ging es auch um Prävention und die Erörterung der geltenden Rechtslage. Gefördert wurde das aufwendig organisierte Ferienprojekt wie schon die jüngste Themenwoche in Grieben vom Programm „Demokratie leben!“.

Teilnehmer und Künstler trafen sich jeweils morgens ab 10 Uhr und erarbeiteten sich das Thema Graffiti von Grund auf. Erste Zeichnungen wurden zunächst mit Stiften auf Papier und kleine Leinwände gebracht. Später folgten die ersten Versuche an den Spraydosen.

Glücklicherweise stellten die beiden Künstler auch einige Sprühflaschen zur Verfügung, denn der Verbrauch im Verlauf der Übungsphase war durchaus beträchtlich. Schließlich nahmen mehr als 20 Kinder und Jugendliche teil und fanden schnell ihren Spaß an der Kunst des Sprühens. „Ich hätte es vorher nicht geglaubt, aber es haben wirklich alle ganz toll durchgehalten und waren vom ersten bis zum letzten Tag dabei“, berichtet Jugendclub-Leiterin Eileen Wolf-Köppe im Nachgang.

Typischer Stil: Der Tangerhütte-Schriftzug an der Rückseite des Zauns.

Zur besonderen Motivation trug dabei auch das große gemeinsame Projekt bei. So hatte der Jugendclub in seinem Frontbereich einen neuen Holzzaun gestellt bekommen, den es nun mit Graffitis zu gestalten galt. Ehe die Dosen dazu angesetzt wurden, mussten zunächst die passenden Motive gefunden werden. Die Entscheidung in der Gruppe fiel auf typische Tangerhütter Wahrzeichen und Orte. Der Tanger sollte dabei sein, ebenso wie das Eisenwerk und das Neue Schloss. Nach drei Tagen intensiver Vorbereitung ging es schließlich an den Zaun. Die Profis übernahmen das etwas komplizierte Schloss, der Nachwuchs gestaltete den Rest, wurde aber jederzeit fachkundig angeleitet. „Hier hat wirklich jeder seinen Anteil geleistet“, lobt Wolf-Köppe.

Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Es kann seit vergangenem Freitag am Mühlenweg bestaunt werden. Damit das Kunstwerk langfristig erhalten bleibt, wird der Bauhof es in Kürze auch noch wetterfest überdachen.

Grundsätzlich war der Workshop ein voller Erfolg und hat bei Teilnehmern und Künstlern Lust auf Mehr geweckt. Höhnel und Franze erklärten sich bereit, auch für zukünftige Projekte wieder zur Verfügung zu stehen. Geplant ist es nun, legale Flächen in Tangerhütte zu finden. Schließlich soll ja niemandem ein Schaden entstehen. Die beiden Magdeburger verabschiedeten sich im Anschluss an die Projektwoche direkt in den Urlaub.

Und auch für die Kinder und Jugendlichen ist jetzt erst mal Entspannung angesagt. Sie weilen in dieser Woche zum Zelten im Bertinger Tipi-Dorf und treten in Kürze eine Paddeltour an. Beide Events sind ausgebucht. „Es ist nach der Corona-Pause auf jeden Fall zu merken, dass die Kinder mal raus müssen“, resümiert Eileen Wolf-Köppe. VON TOBIAS HAACK

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