Vor zehn Jahren: Archäologen graben nach dem Kastell von Ottersburg / Ritterfest folgte

Geheimnis der Erde entrissen

In der Ferne ist eine leichte Erhebung zu erkennen, die auch als „Schlossberg“ bezeichnet wird. Ausgrabungen vor gut zehn Jahren wiesen nach, dass dort einst ein Kastell gestanden haben muss. Funde innerhalb der Wehranlage wurden auf das 9. Jahrhundert datiert. Fotos (3): Klos
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In der Ferne ist eine leichte Erhebung zu erkennen, die auch als „Schlossberg“ bezeichnet wird. Ausgrabungen vor gut zehn Jahren wiesen nach, dass dort einst ein Kastell gestanden haben muss. Funde innerhalb der Wehranlage wurden auf das 9. Jahrhundert datiert.
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Ottersburg. In Andenken an das Mittelalter: An das genaue Jahr vermag sich Windberges Ortsbürgermeister Hartmut Valentin auch nicht mehr auf die Schnelle zu entsinnen. Die Erinnerung an ein großes Fest an einem heißen Sommertag vor etwa zehn Jahren bleibt allerdings.

Als zahlreiche Fahrzeuge von der Kreisstraße 1187 hinab auf ein Feld fuhren. Deren Insassen nach erfolgreicher Parkplatzsuche nach wenigen Schritten durchs Unterholz auf eine weitere große Freifläche gelangten. Dort war viel zu erleben.

Dieser Blick zeigt einen schwach sichtbaren runden Kreis umrahmt von Baumreihen und zwei Schenkeln des Lüderitzer Tanger.

Ein Schmied präsentierte sein Handwerk. Gaukler spielten Theater. Bogenschützen animierten junge und ältere Besucher, mit Pfeil und Bogen auf Strohscheiben zu zielen. Verschiedene Waren alter Handwerkskunst wurden angeboten. Köstlichkeiten kulinarischer Art lockten ebenfalls. „Der Verein, der dahinter stand, hat sich leider aufgelöst“, bedauert Valentin das Ende des lokalen Engagements, welches mit einem archäologischen Fund nahe der Siedlung Ottersburg zusammenhing. Das Grabungsgeschehen ereignete sich im Jahr 2007, vor mittlerweile zehn Jahren. Gefunden wurden diverse Holzgegenstände. Darunter war unter anderem ein Paddel. Dieses konnte auf das 9. Jahrhundert datiert werden. Ein Reitersporn soll aus dem 10. Jahrhundert erhalten gewesen sein. Die Satelliten-Ansicht einer Suchmaschinen-Karte zeigt noch heute einen runden Kreis auf freiem Feld. Dort soll sich eine Burganlage befunden haben, ein mit Gräben und Erdwällen gesichertes Kastell.

Als Rittersitz war Ottersburg lange Zeit bekannt.

Der kleine Ort ist manchen Altmärkern eben nicht nur für seine Jagdschule innerhalb des nahen, erhaltenen Rittergutes bekannt. Welches Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Allerdings droht jene Stelle, die einst für Sensationsmeldungen sorgte, in Vergessenheit zu geraten. „Eine Tafel mit Informationen ist nicht angedacht und würde auch Geld kosten“, macht Valentin auf AZ-Nachfrage deutlich. „Es war ein kurzer Traum“, der dort innerhalb des kurzlebigen Vereins gelebt worden sei. Nun soll in dem Gebiet ein Biotop als Ausgleich zur nahen Windkraft entstehen, weiß der Ortskundige.

„Ideen sind willkommen und dann können wir diese gemeinsam angehen“, schreibt Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm auf Anfrage der AZ. Er selbst habe allerdings von dem Thema noch nichts gehört. Wohl, da er nicht immer in seiner Heimatregion weilte.

Von Alexander Klos

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