Ortsbürgermeister sehen „Geschmäckle“ in Telekom-Ausbau oder raten, auf ZBA zu warten

Front aus Dörfern gegen Ausbau

+
Der Ausbau bedeutet Baustellen in der Kommune.

Tangerhütte. Die Telekom will weiter ausbauen: Bis zum ersten Halbjahr 2018 sollen so gut wie alle Ortschaften der Einheitsgemeinde Tangerhütte samt Hauptort an – laut Telekom – „schnelles Internet“ mit bis zu 100 MBit kommen.

Während das die Tangerhütter freuen sollte, sorgt die Ankündigung in den ländlichen Ortschaften mindestens für Irritation – denn eigentlich wartet man dort auf den Ausbau des kommunalen Zweckverbandes mit dem Zehnfachen der Telekom-Geschwindigkeit. Es gibt Hintergrundgespräche.

Für den gewählten Uetzer Ortsbürgermeister Jörg Rudowski hat das ganze Thema ein „Geschmäckle“. Früher sei die Begeisterung des Unternehmens, in dem ländlichen Bereich auszubauen, geringer, meint er. Lange hätten er und die Uetzer sich darum bemüht und mehrmals nachgefragt, ob das Unternehmen denn in ihrer Region für annehmbares Internet sorgen könnte. Stets Fehlanzeige. Und nun wolle das Unternehmen mit einem Mal ausbauen – jetzt, wo der kommunale Zweckverband Breitband Altmark für eine Förderung des Wirtschaftsministeriums einen entsprechenden verbürgten Zulauf von potenziellen Kunden braucht. „Wir bekommen unter Umständen das Problem, dass wir die benötigten 60 Prozent Zustimmung nicht mehr haben“, sagt Rudowski. Er will demnächst eine Einwohnerversammlung einberufen. Ein Thema darin wird auch sein, welche Nachhaltigkeit die Angebote der beiden Internet-Anbieter jeweils haben – vor dem Hintergrund, dass Datenmengen im Internet exponentiell ansteigen.

In Lüderitz schlägt die Ortschefin Edith Braun auch Alarm: Sie hat ZBA-Geschäftsführer Andreas Kluge nach Lüderitz eingeladen, um klar zu sagen, wann und wie das schnellere Netz des kommunalen Verbandes komme. Im Ort sei deutlich zu merken: Lieber will man auf den ZBA warten. „Wenn wir schon einen Anschluss haben, dann den besten“, fasst sie die Gefühlslage in der Ortschaft zusammen. Thema soll der Ausbau auch im kommenden Ortschaftsrat werden. In Grieben will sich Ortsbürgermeisterin Rita Platte nicht auf eine Seite stellen, sie kritisiert aber, dass durch den aufeinanderfolgenden Ausbau zweimal im Ort gebaut wird – mit den damit verbundenen Widrigkeiten.

Bei der Telekom sorgt der unterschwellige Vorwurf, dass das Unternehmen den kommunalen Ausbau des ZBA torpedieren wolle, für Unverständnis: Die Ausbaupläne der Telekom seien lange bekannt, meint Sprecher Georg von Wagner. Der Bürgermeister von Tangerhütte, Andreas Brohm, will sich nicht weiter zu dem entstandenen Wettrennen zwischen dem Privatunternehmen und dem kommunalen Anbieter äußern.

Von Kai Hasse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare