„Befürworte eindeutig eine Brücke“

Drohendes Aus der Elbfähre: Burger Landrat sieht eh Sachsen-Anhalt am Zug

Ein fast romantisches Bild und doch geht es um die pure Existenz. Der Fähre Ferchland-Grieben droht das Aus. Die Trägergemeinde Elbe-Parey (Jerichower Land) könnte der Betrieb zum 30. Juni aus finanziellen Gründen einstellen.
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Ein fast romantisches Bild und doch geht es um die pure Existenz. Der Fähre Ferchland-Grieben droht das Aus. Die Trägergemeinde Elbe-Parey (Jerichower Land) könnte der Betrieb zum 30. Juni aus finanziellen Gründen einstellen.

Burg / Grieben – Für einen direkten Brückenschlag über die Elbe zwischen den Landkreisen Stendal und Jerichower Land kann sich Dr.  Steffen Burchhardt (SPD) durchaus begeistern.

Zuletzt hatte der Burger Landrat darüber schon in einem AZ-Interview kurz vor Weihnachten gesprochen.

Dr. Steffen Burchhardt vor dem Landratsamt in Burg. Der SPD-Mann führt das Zepter seit 2014.

Wie realistisch dieser Wunsch ist, wird sich zeigen. Mit dem drohenden Aus der Fähre Ferchland-Grieben (die AZ berichtete), könnte die Idee jedenfalls neuen Schwung bekommen. Zumal sich Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) ein solches Großprojekt offenbar auch vorstellen kann. Die AZ hat Landrat Burchhardt zur derzeitigen Entwicklung befragt.

Wie stehen Sie aktuell zu einem Brückenbau in diesem Gebiet, wer müsste ihn wann und wie betreiben und bezahlen?

Ich befürworte eindeutig eine Brücke. Wenn die Elbe immer häufiger Niedrigwasser hat und eine Fähre dauerhaft defizitär wirtschaftet, ist langfristig eine Brücke die bessere Lösung. Für Nutzer ist eine Brücke viel schneller und zuverlässiger. Brücken als überregionale Verbindung sind eine Aufgabe des Landes. Hier gibt es über eine riesige Entfernung, von Magdeburg bis Jerichow, keine Brücke über die Elbe.

Was könnten beide Landkreise bei einem solchen Vorhaben leisten?

Ein Brückenbau in dieser Dimension ist für die Landkreise natürlich selbst gar nicht finanzierbar. Aber wir würden ein solches Vorhaben konstruktiv begleiten. Es gibt im Verfahren viele Hürden, die man mit den Menschen vor Ort lösen muss.

Inwieweit sehen Sie bei der Fähre Ferchland-Grieben die Messe gelesen?

Die Entscheidung liegt letztlich bei der Gemeinde Elbe-Parey. Ich kann die Verantwortlichen verstehen. Sie haben über eine lange Zeit auf die Probleme aufmerksam gemacht und um Hilfe gebeten. Aber weder die Gemeinden auf der anderen Seite der Elbe noch unsere Gemeinden waren bereit, sich zu beteiligen, nicht direkt und auch nicht über die Kreisumlage. Das Land hilft eben auch nicht bei der Finanzierung der Betriebskosten oder dem Ausgleich von Defiziten. Wenn der Betreiber alle Kosten auf die Nutzer umlegen würde, dann wäre eine Fährfahrt nicht mehr bezahlbar. Das ist beim ÖPNV sehr ähnlich. Es ist letztlich auch eine Frage der Nachfrage.

Inwieweit würde dem Jerichower Land die Fähre überhaupt fehlen?

Wir kennen die genauen Nutzerzahlen nicht, insofern ist es schwer, das einzuschätzen. Fakt ist, es gibt ohnehin wenig Verbindungen zum Landkreis Stendal, für das Zusammenwachsen der Region ist das absolut kontraproduktiv. Einige Menschen wird die Einstellung des Fährbetriebes hart treffen, die resultierenden Umwege sind sehr lang. Auch für den Elbtourismus ist es ein Nachteil, wenn es wenige Möglichkeiten gibt, die Elbseite zu wechseln.

Was erscheint Ihnen in der jetzigen Situation besonders wichtig?

Ehrlichkeit in der Diskussion.

VON MARCO HERTZFELD

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