Nachfrage bei Baugrundstücken

Von Landflucht keine Rede

Ein Mann steht vor einer Wandkarte und trägt etwas vor.
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Einheitsgemeinde-Bürgermeister Andreas Brohm sieht gute Entwicklungschancen für seine Region.
  • Christian Wohlt
    VonChristian Wohlt
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Die Grundstücks- und Immobilienpreise in der Altmark haben erneut deutlich angezogen. Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht 2019/20 für Sachsen-Anhalt hervor. Selbst in der Corona-Pandemie ist das Interesse an den eigenen vier Wänden gewachsen. Im ländlichen Raum können sich Häuslebauer ihren Traum aber noch immer zu vergleichsweise günstigen Preisen erfüllen.

Ausgebucht: Im neuen Wohngebiet „Am Wasserwerk“ in Lüderitz sind alle Bauplätze vergeben.

Tangerhütte – Wie immer kommt es entscheidend auf die Lage an. Dabei scheint der künftige Autobahnanschluss durch die A 14-Nordverlängerung eine Rolle zu spielen. So sind in Osterburg, unweit der neuen Strecke, Baugrundstücke in guter Lage ab 45 Euro je Quadratmeter zu haben. Das ist fast so teuer wie in der Nachbarkreisstadt Salzwedel mit 46 Euro. In der Kreisstadt Stendal, die ebenfalls an der künftigen Autobahn liegt, kostet ein vergleichbares Grundstück 70 Euro je Quadratmeter. Etwas weiter vom Schuss zahlt man deutlich weniger, so in Gardelegen 35 Euro, in Kalbe oder Arendsee 25 Euro. Zum Vergleich: In den Großstädten Magdeburg und Halle kostete Eigenheimbauland 2020 durchschnittlich 180 Euro je Quadratmeter. Eine weiter wachsende Nachfrage nach Wohnimmobilien im ländlichen Raum erwartet Andreas Brohm. Der parteilose Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte kehrte vor sieben Jahren in seine Heimat zurück, nachdem er zuvor in Berlin und im Ausland gearbeitet und gelebt hatte. Er ließ sich mit Familie in einem kleinen Dorf nieder. Was damals noch eine exotische Ausnahme war, entwickle sich inzwischen zum Trend. Wohnen auf dem Dorf sei wieder gefragt. „Ich erlebe, dass die Generation 25+ neue Prämissen für ihr Leben hat“, sagt das Stadtoberhaupt. Dazu gehöre Heiraten, Kinder kriegen und Haus bauen. Die Einheitsgemeinde biete dafür gute Rahmenbedingungen.

Der Wunsch nach eigenen vier Wänden ist trotz Corona-Pandemie ungebrochen. Auf dem Land ist der Traum vom Eigenheim noch finanzierbar. Hier punkten Gemeinden, die gut an die Infrastruktur angebunden sind.

Auch in Tangerhütte mache sich der Autobahnbau schon bemerkbar. So entsteht in der Ortschaft Lüderitz, in unmittelbarer Nähe der künftigen Abfahrt, eine neue Eigenheimsiedlung. Die 19 Bauplätze waren in kurzer Zeit ausgebucht. Das Problem: Sachsen-Anhalts Landesentwicklungsplan sieht solche Wohngebiete außerhalb der Grundzentren eigentlich nicht vor. „Nur weil wir das große Interesse nachweisen konnten, durften wir die Baufläche ausweisen“, so der Bürgermeister. Weniger Hürden gab es in der Kernstadt, wo das neue Wohngebiet „Am Dämmchen“ Gestalt annimmt. Dort stehen 18 Grundstücke in idyllischer Lage zur Verfügung. In beiden Fällen übernehmen private Investoren Erschließung und Vermarktung. Während Eigenheime gefragt sind, dümpelte das kommunale und genossenschaftliche Wohnungswesen lange vor sich hin. Inzwischen ist auch hier Bewegung. Wie viele ländliche ostdeutsche Regionen musste auch die Altmark in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Bevölkerungsschwund verzeichnen. Die Kernstadt Tangerhütte hatte 1990 knapp 8000 Einwohner, heute sind es nicht mal mehr 5000. Insgesamt zählt die Einheitsgemeinde gerade mal 10 000 Einwohner. Die hohe Leerstandsquote und damit die Altschulden, konnte inzwischen durch Abriss und Rückbau deutlich reduziert werden. Beide Gesellschaften investieren in Projekte, die das Wohnen im Bestand wieder attraktiver machen sollen.

Wohnen auf dem Land liegt im Trend. Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm will erkannt haben, dass „die Generation 25+ neue Prämissen für ihr Leben hat.“

Der Wegzug sei inzwischen gestoppt. Von Landflucht könne keine Rede mehr sein, sagt Brohm. Was der Einheitsgemeinde weiterhin zu schaffen macht, ist der demografische Wandel, vor allem die Überalterung. Weil mehr Menschen sterben als geboren werden oder neu hinzuziehen, schrumpft die Bevölkerungszahl noch immer leicht. Der Bürgermeister will daher vor allem junge Leute in die Region locken. Dabei setzt er nicht nur auf die Iändliche Idylle. Neben der guten Verkehrsanbindung über Straße und Bahn sei der Anschluss an die Datenautobahn unverzichtbar. Im kommenden Jahr soll der Highspeed-Ausbau abgeschlossen sein. Ausreichende Kita-Plätze, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und die (noch) gut ausgestattete ärztliche Versorgung sprächen zudem für die Einheitsgemeinde.

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