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Wildpark Weißewarte ab sofort geschlossen

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Von: Christian Wohlt

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Eine Familie mit kleinen Kindern steht an einem Wildgatter und beobachtet zwei Rehe.
Auf Tuchfühlung mit den Bewohnern des Wildparks – dieses Bild gehört vorerst der Vergangenheit an. © ct-press

Dramatische Zuspitzung im Konflikt um den Wildpark Weißewarte: Der Landkreis Stendal hat gestern dem Betreiberverein den Bescheid zur Versagung der Zoogenehmigung übergeben und die sofortige Schließung der Anlage für Besucher verfügt.

Tangerhütte – Dieser Schritt sei notwendig, nachdem auch nach Anhörung des Vereins in den vergangenen Wochen Mängel nicht abgestellt wurden und die festgestellten Verstöße nicht aufgeklärt worden seien, teilt die Kreisverwaltung mit. Bereits am Abend zuvor hatte der Stadtrat der Einheitsgemeinde Tangerhütte, der der Wildpark gehört, in einer außerordentlichen Sitzung und hinter verschlossenen Türen erneut die Situation beraten. Dabei sei es um ein „zukunftsfähiges Modell“ gegangen, wie der Wildpark nach dem 1. Februar 2022 weitergeführt werden kann, heißt es in einer Mitteilung. Zu diesem Zeitpunkt endet die bisherige Betriebserlaubnis. Dem Vernehmen nach ist die Gründung einer Betriebsgesellschaft geplant, deren alleinige Gesellschafterin die Kommune wäre – analog der Städtischen Wohnungsgesellschaft. Als Übergangslösung soll der Förderverein den Betrieb übernehmen.

Eine ältere Dame steht an einem Zaun und versucht einen Strauß zu füttern.
Bis eine tragfähige Lösung vorliegt, bleibt die überaus beliebte Einrichtung auf behördliche Anordnung geschlossen. © ct-press

Es gehe darum, eine tragfähige Lösung zu finden, die den Erhalt des Wildparks auf Dauer sichert und den Mitarbeitern eine Perspektive bietet, wirbt Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) für das Modell. Die entsprechende Fachkompetenz für einen Neustart sei vorhanden. Allerdings stehe die Diskussion über die künftige inhaltliche Ausrichtung des Parkes noch aus. „In den letzten Wochen ist deutlich geworden, wie wichtig der Wildpark Weißewarte für die Region ist. Die Einheitsgemeinde hat eine Möglichkeit gefunden, die nun hoffentlich alle Engagierten miteinander versöhnt und das Augenmerk wieder auf die Zukunftsgestaltung des Wildparks richtet“, so Brohm. Die Einheitsgemeinde hatte am 19. November selbst einen Antrag auf Erteilung einer Zoogenehmigung gestellt. Laut Kreisverwaltung könnte der Park damit umgehend wieder öffnen, wenn er vom Betreiberverein an die Einheitsgemeinde übergehe und diese die sachgerechte Versorgung der Tiere gewährleisten könne. „Es liegt nun in der Hand des Betreibervereins sowie der Einheitsgemeinde. Ich hoffe auf das Verantwortungsbewusstsein beider Seiten“, so Landrat Patrick Puhlmann (SPD).

Zwei Ziegen beschäftigen sich in einem Gehege mit einigen Ästen.
Tiere beobachten und anschließend auf dem Spielplatz toben - für Kinder war der Wildpark stets ein angesagtes Ziel. © ct-press

Doch nach einer einvernehmlichen Lösung sieht es zunächst nicht aus. Fred Stoike, Vorsitzender des Betreibervereins, äußerte sich auf AZ-Nachfrage überrascht und enttäuscht von der Entscheidung. Er habe den Behörden Vorschläge unterbreitet, wie die erteilten Auflagen umzusetzen wären. Gegen die Verfügung des Landkreises werde er juristisch vorgehen. Zunächst müsse er sich jedoch an die Vorgabe halten und den Park schließen. Die Versorgung der Tiere werde wie gewohnt weitergeführt, betont Stoike. Daran, die Verantwortung freiwillig abzugeben, denkt er nicht. „Wir kämpfen weiter“, kündigte er an.

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