Tangerhütter Einzelhändler fürchten um ihre Geschäfte an der Bismarckstraße

„Das ist Schwachsinn“

 

Tangerhütte. In einem Punkt sind sich die Einzelhändler der Tangerhütter Bismarckstraße einig: Altenheim und Pflegeplätze sind erwünscht, zusätzliche 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche aber nicht.

Die AZ sprach mit den Gewerbetreibenden der sowieso schon gering frequentierten Innenstadt vor Ort über die auf dem Areal des alten Gymnasiums geplante Kombination eines Altenpflegeheims und eines weiteren Vollsortimenters (AZ berichtete). Davon wären die meisten Inhaber der kleinen Läden an der Straße direkt betroffen, da jeder Supermarkt dieser Größenordnung auch regelmäßig ein breites Sortiment artfremder Waren, sprich Blumen, Kleidung und Schuhe, anbietet.

„Das Überleben als kleiner Händler ist sowieso schon schwierig. Ein weiterer Supermarkt ist für die gesamte Innenstadt gefährlich, sie wird aussterben“, ist sich Dagmar Wiegleb sicher. Das Blumenstübchen der 57-Jährigen gibt es bereits seit 23 Jahren, nun hat sie Angst, dass weitere Kunden und damit natürlich auch Einnahmen wegbrechen. „Im Supermarkt fehlt auch jegliche Beratung für den Käufer“, gibt sie zu bedenken.

Jürgen Brinkmann kann die Pläne absolut nicht verstehen. „Das ist einfach Schwachsinn“, schimpft der 62-Jährige. „Wir haben schon so viele Supermärkte in Tangerhütte. Wozu brauchen wir noch mehr“, fragt er und schüttelt den Kopf, fast schon resignierend. „Wir können nur abwarten und auf die Entscheidung der Stadträte warten.“ Vor eineinhalb Jahren übernahm seine Ehefrau das „Fruchtparadies“ von einem älteren Ehepaar, das das Geschäft bereits 20 Jahre führte. „Die Älteren, die in der geplanten Einrichtung wohnen werden, sollen sich wohlfühlen. Man sollte da lieber ein schönes Café errichten und eine kleine Parkanlage anlegen“, empfiehlt Brinkmann.

Kerstin Blücher und Britta Witt sind sich einig. „Wir möchten das einfach nicht! Hier ist eh schon nicht viel los und das Stück Bismarckstraße hinter den Schranken in Richtung Grundschule ist schon fast leblos“, macht sich Witt über die Baupläne Luft. „Mag ja sein, dass 25 neue Arbeitsplätze im Pflegebereich entstehen, aber wie viele werden verloren gehen, weil die Geschäfte in der Innenstadt den Kampf gegen den Vollsortimenter verlieren“, fragt sie über die Ladentheke der Bäckerei Lohse hinweg. Blücher stimmt ihrer Kollegin zu und empfiehlt zusätzlich: „Das alte Gymnasium hätten sie sanieren sollen und den Schulstandort erhalten sollen.“

„Eine Ansiedlung von so genannten Fachmärkten in der beabsichtigten Größe würde die Kunden aus der Innenstadt anziehen. Ist kein Leben auf den Straßen, wären meine Kollegen im innerstädtischen Fach- und Einzelhandel und auch ich als Buchhändlerin existenziell betroffen. Welcher Tourist könnte sich in einer leblosen Innenstadt dann noch wohlfühlen? Wir haben in den letzten Jahren bereits deutliche Verluste erlitten. Mehr ist kaum noch zu verkraften. Die Stadträte sollten diese schlechte Lösung nicht alternativlos sehen. Es gibt immer Alternativen und der Markt richtet eben nicht alles“, so Wiebke Will.

Die Stadträte und die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Tangerhütte werden heute in der Stadtratssitzung ab 19 Uhr unter anderem über die Zukunft der Einzelhändler an der Bismarckstraße beraten.

Von Berit Wagner

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