Sanierung des Neuen Schlosses ist ein Politikum geworden

Dach-Drama in Tangerhütte: Droht der Super-Gau?

Bereits bei der Sanierung der Fenstergauben gab es Ärger – die zuständige Firma musste nachjustieren. Bei den nun durchgeführten Dachdeckerarbeiten wurden ebenfalls erhebliche Mängel festgestellt.
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Bereits bei der Sanierung der Fenstergauben gab es Ärger – die zuständige Firma musste nachjustieren. Bei den nun durchgeführten Dachdeckerarbeiten wurden ebenfalls erhebliche Mängel festgestellt.

Tangerhütte – „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt!“ Wenn es ums Neue Schloss im Tangerhütter Stadtpark geht, fallen einem die Dichterworte ein. Aus einer Erfolgsgeschichte entwickelte sich ein Drama.

Die Sanierung des Daches sorgte jetzt im Stadtrat erneut für heftige Diskussionen.

Im vergangenen Jahr waren die Arbeiten ausgeführt wurden. Schon die Gestaltung der Fenstergauben lief nicht problemlos über die Bühne. Sie musste im Nachhinein verändert werden, nachdem die Denkmalschutzbehörde ihr Veto eingelegt hatte. Bei den eigentlichen Dachdeckerarbeiten stellten sich gravierende Mängel heraus. Auch hier sind erhebliche Nacharbeiten erforderlich. Mit einer kompletten Neueindeckung sieht sich die ausführende Firma aber überfordert.

Nicht nur das, auch die Tatsache, dass diese Leistung schon bezahlt wurde, bevor eine Bauabnahme erfolgt war, sorgte im Stadtrat für Empörung. Problem: Die Fördermittel für das Projekt fließen erst, wenn die Arbeiten vollständig und makellos erledigt sind. Die entsprechende Abrechnung muss spätestens bis November dieses Jahres vorliegen. Ansonsten drohe der Super-Gau, wie Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) auf Nachfrage zugeben musste. Heißt: Die Einheitsgemeinde könnte auf den Gesamtkosten von mehr als einer Viertelmillion Euro sitzen bleiben. Sein Einwurf, dass das Dach wohl nicht komplett neu gedeckt werden müsse und es daher vielleicht doch noch eine Lösung mit der Dachdeckerfirma geben könnte, ging in der aufgeheizten Stimmung unter. Der nächste Akt im Dach-Drama ist programmiert.

Dabei hatte es alles so hoffnungsvoll begonnen. Da im Haushalt der Kommune das Geld für die dringend notwendige Schloss-Dachsanierung nicht zur Verfügung stand, hatte Brohm Ende 2017 die „Aktion Dachschaden“ gestartet. Ziel war es, den Eigenanteil für ein Förderprogramm aufzubringen. Insgesamt 62 500 Euro mussten zusammenkommen. Der Rest der 250  000 Euro teuren Dachsanierung sollte über Leader-Fördermittel der Europäischen Union getragen werden. Daraus entwickelte sich eine für die Einheitsgemeinde beispiellose Bürgerinitiative. Beträge von Bürgern, Vereinen und Unternehmen gingen auf dem Spendenkonto ein. Mehr als 69 000 Euro kamen so zusammen. Die Arbeiten konnten beginnen.

VON CHRISTIAN WOHLT

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