Corona setzt Vereinen kreisweit zu

Tangerhütter Kaninchenzüchter schaut über den Tellerrand

Ein Kaninchen der Rasse Roter Neuseeländer sitzt auf einem Tisch.
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Eines der Vorzeigekaninchen, es wandert nicht einfach in den Kochtopf. Seit Jugendtagen hat sich Vereinschef Komnick der Rasse Roter Neuseeländer verschrieben.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Das Zuchtwesen leidet unter Corona. Schauen fallen reihenweise aus. Tangerhütter Kaninchenfreund Peter Komnick schaut über den Tellerrand hinaus auf die Vereinsszene im Landkreis Stendal und auch auf den Wildpark Weißewarte ganz nah.

Tangerhütte – Selbst habe er den Wildpark zuletzt vor zwei Jahren besucht, seine Zeit sei eben knapp. Doch ja, die Freizeitstätte in der Tangerhütter Ortschaft bleibe wichtig für die gesamte Einheitsgemeinde und darüber hinaus, ist Peter Komnick überzeugt. Dass unter Federführung der Stadt die Einrichtung neu aufgestellt werden soll, begrüßt der Vorsitzende des Kaninchenvereins im Gespräch mit der AZ. Warum die Stallhasen dort kreuz und quer beieinandersitzen müssen, kann der Briester nicht verstehen. Gern will er für diesen Bereich den einen oder anderen fachlichen Rat geben. „Wenn denn überhaupt, sollten allein auch nur seltene und gefährdete Rassen gezeigt werden.“ Auch so schaut der 59-Jährige gern über den Tellerrand. „Ganz ehrlich, auch dieses Jahr war bescheiden.“

Kaninchenfreund Peter Komnick ist ein alter Hase im altmärkischen Zuchtwesen.

Dabei habe sich 2021 so gut angelassen. „In den Zuchten war an und für sich gutes Tiermaterial vorhanden.“ Wenngleich es wegen des unsicheren Schaugeschehens nach 2020 insgesamt sicherlich weniger Exemplare gegeben habe. Gerade so mancher ältere Züchter in den Vereinen von Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel könnte nun gänzlich hinschmeißen wollen, weil der für ihn so wichtige zwischenmenschliche Kontakt, die Gemeinschaft, fehle. Als Vereinschef sitzt Komnick automatisch im erweiterten Vorstand des Kreisverbandes. „Corona geht an die Substanz der Zuchtvereine. Ausstellungen zeigen das züchterische Niveau. Ohne sie ist es natürlich auch schwer, an neue Tiere für die Blutauffrischung einzelner Rassen zu kommen“, macht der Altmärker deutlich.

Nur zwei Schauen von Rang 2021

„Auch 2021 hat gezeigt, dass nicht alle Vereine den Mut und die Kraft haben, eine Ausstellung auszurichten.“ Im Gebiet des Kreisverbandes habe es letztendlich nur zwei Ausstellungen von Rang gegeben, die Havellandschau in Kamern im Oktober und die offene Kreisschau in Tangerhütte Anfang November. Nach der Kreisvorstandssitzung kürzlich sieht Komnick drei Veranstaltungen auf dem Zettel für 2022. Die Kreisschau soll in Kamern über die Bühne gehen, die Altmarkschau in Stendal, die Tangerhütter selbst haben eine offene Lokalschau beantragt. Dass die Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt scheint, sei so gut wie überall ein Problem. Der Rassekaninchenzüchterverein G 262 Tangerhütte zählt gerade einmal sieben Mitglieder und sucht stetig neue Mitstreiter.

Besonderer Einsatz am Tanger gefragt

„Warum muss es das Zuchtkaninchen eigentlich noch geben?“, fragt der Vereinschef und antwortet selbst: „Das Fell wird nicht mehr groß verwertet, das Fleisch dient vor allem zum Eigenverbrauch. Man weiß, was man isst, da man ja auch weiß, was gefüttert wurde. Doch geht es dem ambitionierten Züchter doch vor allem um eines, um die Rassenvielfalt, die Schönheit in all ihren Facetten.“ Mögen die Vereine landauf, landab auch unter Mitgliederschwund leiden, einiges sei durch besonders Engagement des harten Kerns wettzumachen. Darauf setzt der Tangerstädter. Dass es für die Kreisschau 2021 kaum Unterstützung aus der eigenen Einheitsgemeinde gegeben habe, dafür aber ziemlich verlässliche von außerhalb, soll in die Planungen für das neue Jahr einfließen.

Kaninchen verliert an Stellenwert

Der Tangerhütter Verein ist 1908 aus der Taufe gehoben worden, ein Stück Lokalgeschichte. Komnick züchtete schon als 17-Jähriger Rote Neuseeländer, eine mittelgroße, auffallend blockige Kaninchenrasse. Genauso lange ist er auch Mitglied im Verein, eine Geflügelabteilung gehört ebenfalls dazu. Seit gut fünf Jahren führt er das Zepter. Schon einmal hatte er das Sagen, von kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland bis 2008. Bereits mehrmals schlug er Alarm, weil die Existenz des Vereins bedroht schien. Die Organisation sei momentan gesichert, Corona hin, geringe Mitgliederzahl her. Vier Rammler und vier Häsinnen für die Zucht sitzen in den Buchten, sie wandern nicht einfach mal so in den Topf. Allein dieses Jahr habe er 30 Jungtiere großgezogen.

Preise trösten über die Bundesabsage

Gern hätten Zuchtfreund Andreas Beyer und er ausgewählte Tiere bei der Landesschau Ende November in Magdeburg gezeigt, doch Pustekuchen. Auch die Bundesrammlerschau am 18. und 19. Dezember in Karlsruhe ist wegen Corona abgesagt. „Irgendwie alles verständlich, die finanziellen Risiken für Ausrichter sind nicht kalkulierbar.“ Bei insgesamt fünf Schauen innerhalb und außerhalb des Landkreises mischten die Tangerhütter dieses Jahr mit. Von der Havellandschau in Kamern brachte Komnick einen Ehrenpreis mit, Beyer erhielt für seine Blaugrauen Wiener sogar einen Landesverbandsehrenpreis. Die Altmarkschau in Fleetmark im Nachbarlandkreis Ende Oktober bescherte beiden einen Ehrenpreis. Bei der Kreisschau in Tangerhütte stellte Vereinsfreund Wilfried Hannemann mit Helle Großsilber die beste Zuchtgruppe, Beyer wurde Kreismeister, Komnick holte mehrere Ehrenpreise. Gern hätten die Ausrichter dort noch den einen oder anderen Verein mehr aus dem Verbandsgebiet gesehen. Bei einer Kleintierausstellung in Ferchland Mitte November wurde Komnick Gästemeister und von der Heide-Elbeland-Schau in Angern wenig später kehrten Beyer und Komnick mit Ehrenpreisen zurück.

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