Brohm sucht den gemeinsamen Weg

Causa Gießereihallen: „Wie wichtig ist uns dieser Ort?“

Für die Industriehallen in Tangerhütte ist nach wie vor keine Lösung in Sicht. Bürgermeister Andreas Brohm hofft auf ein Konzept, das breite Unterstützung findet.
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Für die Industriehallen in Tangerhütte ist nach wie vor keine Lösung in Sicht. Bürgermeister Andreas Brohm hofft auf ein Konzept, das breite Unterstützung findet.

Tangerhütte – „Diese Frage werden wir nur zusammen beantworten können“, sagt Andreas Brohm, parteiloser Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte, angesprochen auf die ungeklärte Zukunft der Gießereihallen an der Industriestraße.

Die Option, dass das Traditionsunternehmen „TechnoGuss“ dort sein dringend benötigtes Modelllager errichten könnte, ist seit Kurzem definitiv vom Tisch.

Die Gießerei hat einen besseren Standort gefunden (AZ berichtete). Für die verfallenen Industriehallen wird es andere Lösungen geben müssen. Grundlage dessen könne aber nur eine gemeinsame Linie von Stadtrat, Bürgermeister, Verwaltung und anderen Beteiligten wie dem Verein „Aus einem Guss“ sein, wie das Stadtoberhaupt im Gespräch mit der Altmark-Zeitung betont. Brohm stellt für seine Gemeinde die Frage in den Raum: „Wie wichtig ist dieser Ort für uns?“.

Die Antwort auf diese Grundsatzfrage definiere den weiteren Umgang mit dem Problem – und letztlich auch die Zukunft der Hallen. In der Vergangenheit waren Stadtrat und Bürgermeister weit von einem gemeinsamen Nenner entfernt. Diesen müssten sie aber finden, soll es für den historischen Ort im industriellen Herzen der Stadt eine Perspektive geben. „Meine Erfahrung ist, dass wir eine innere Überzeugung brauchen. Wir haben schon verschiedene Projekte gestemmt, die am Anfang illusorisch schienen. Wir waren aber immer dann erfolgreich, wenn wir eine klare Struktur und ein breites Netzwerk dahinter hatten“, appelliert Brohm.

Den Großteil der Tangerhütter Bürger lässt die Zukunft der Gießereihallen alles andere als kalt. Vor allem die Älteren unter ihnen verbinden viele Erinnerungen mit dem seit knapp 30 Jahren verwaisten Gelände. Viele Familien waren Mitte des vergangenen Jahrhunderts wegen des Eisenwerks nach Tangerhütte gezogen, haben die Industriehallen noch in Betrieb erlebt. „Es ist ein Stück DNA von Tangerhütte und auch der Einheitsgemeinde. Jeder hat irgendwie eine Geschichte dazu. Deshalb ist das Thema auch so emotional“, weiß Brohm.

Aktuell köchelt es eher auf kleiner Flamme vor sich hin. Früher oder später wird es aber wieder größer werden. Das Grundstück ist in kommunalem Besitz. Die Stadt hat als Eigentümer Pflichten bezüglich des Denkmalschutzes, muss stets im Auge behalten, wofür sie haftbar gemacht werden könnte. Umso hilfreicher wäre ein nachhaltiges, realistisches Konzept für die Zukunft.

„Wir brauchen eine Diskussion darüber. Es muss geklärt werden. Ob das am Ende ein halbes Jahr oder zwei Jahre dauert, ist egal. Hauptsache, wir kommen zu einem Endergebnis“, unterstreicht der Bürgermeister.

Als „erstes Puzzleteil“ auf dem langen Weg der Lösungsfindung schlägt Brohm die Thematisierung der Konzeptstudie im Stadtrat vor, die der Verein „Aus einem Guss“ schon seit längerem in der Schublade hat. Das Problem: die Studie sollte bereits zweimal im Stadtrat vorgestellt werden, was beide Male abgelehnt wurde. VON TOBIAS HAACK

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