Tangerhütter Bürgermeister kritisiert Vorhaben des Landes / Vorreiter kommen aus der Altmark

Brohm: Digital-Agenda „veraltet“

Seit Monaten werden in der Altmark bereits Glasfaserkabel bis zur Haustür verlegt. Fotos: Archiv
+
Seit Monaten werden in der Altmark bereits Glasfaserkabel bis zur Haustür verlegt.
  • VonKai Hasse
    schließen

Tangerhütte/Magdeburg. Während die Landesregierung in Magdeburg gestern ihren Auftakt der „Digitalen Agenda“ feiert, ärgert sich in Tangerhütte der Verwaltungschef.

Andreas Brohm kritisiert die Agenda der Landesregierung Sachsen-Anhalt, die einen flächendeckenden Internet-Ausbau mit bis zu 100 Mbit-Geschwindigkeit vorsieht. Der Grund: Das sei Technik von gestern.

Andreas Brohm kritisiert die „Digitale Agenda“.

Im Lutherjahr propagiert die Landesregierung die „108 Thesen“ der Agenda, die den Ausbau garantieren sollen. Brohm, selbst internetaffiner Dorfbewohner aus der Tangerhütter Steppe, ballert nun aus allen Rohren: auf Facebook, Twitter, der eigenen Internet-Seite, mit Pressemitteilungen und im regionalen Fernsehen. Er fordert einen flächendeckenden Breitbandausbau mit Gigabit-Datengeschwindigkeiten – also dem mindestens zehnfachen des vom Land anvisierten Internet-Tempos. „Wir benötigen keine Technologie, die schon in wenigen Jahren veraltet ist“, sagt Brohm. Die Investition in ein derartiges Netz mit maximal 100 Mbit/s Übertragungsgeschwindigkeit sei „Verschwendung von Geldern und eine Investition, die sich nicht lohne.“

Ein Hintergrund dazu: Derzeit werden in besagter Tangerhütter Steppe Breitband-Kabel durch den Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) gelegt. Die Geschwindigkeit der Kabel, die durch das kommunale Unternehmen bis vor die Haustür gelegt werden, sollen 1000 Mbit/s bringen. Das mache Ansiedlung von Unternehmen leichter, steigere den Wert der Immobilien und garantiere nicht zuletzt ein ruckelfreies Surfen. Brohm: „Besonders die Zukunft des ländlichen Raumes wird sich in den kommenden Jahren mit der zur Verfügung stehenden Internettechnologie entscheiden.“ Wer ländliche Räume nach vorn bringen will, investiere in Glasfaserkabel bis in die Häuser. „Wir dürfen in diesem Bereich den Einwohnern nicht vorgaukeln, dass etwas passiert, sie aber gleichzeitig mit einer veralteten Technologie abspeisen.“

Das ZBA-Projekt – getragen von beiden Altmärkischen Landkreisen – habe Vorreiter-Charakter, ähnlich wie in ländlichen Gebieten in Schleswig-Holstein. „Unsere dünn besiedelte Region wird in naher Zukunft eine schnellere Internetverbindung haben als etwa Großstädte wie Berlin oder München“, sagt Brohm.

Von Kai Hasse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare