Wie gewonnen, so zerronnen: Warum die Landesherren der Familie ihren Stammsitz abjagten

Brandenburger bedrängten die Burgstaller Bismarcks

Im Letzlinger Jagdschloss residierte zur Kaiserzeit unter anderem Wilhelm II. und ging seiner großen Leidenschaft, dem Jagen, nach. Dabei fühlte er sich allerdings von den Bismarcks, die zu jener Zeit das Schloss Burgstall ihr Eigen nannten, gestört und schränkte die bismarckschen Rechte immer weiter ein.

Burgstall/Letzlingen. Die Colbitz-Letzlinger Heide entfaltet vor allem im Herbst ihren besonderen Reiz. Schon die Altvorderen wussten das Gebiet zu schätzen. Nicht der bunten Pflanzenpracht sondern des Wildes wegen, das sich in der waldreichen Gegend tummelt.

Entsprechend begehrt waren die Immobilien dort schon damals. So bedeutete es für eine Patrizierfamilie aus Stendal ein großes Glück, als sie das Schloss Burgstall erwerben konnten. Die damit verbundene Standeserhöhung, ausgedrückt im markgräflichen Privileg vom 15. Juli 1345, machte sie zu Rittern altmärkischen Adels. Mit diesem Erwerb treten die Bismarcks damit erstmals aus dem Schatten der Geschichte.

Der neue Wohnsitz auf einer Burg war mit der Umstellung des gesamten Hauswesens verbunden. Von nun an waren die Bismarcks werte Burgherren, zwar kein Adel des Geblüts, aber doch immerhin reich begütert. Das, was sie in Burgstall und an der vielbefahrenen Heerstraße Tangermünde-Magdeburg, dort in der Einsamkeit des Waldes vorfanden, hatte mit ihrem Haus in Stendal so gar nichts mehr gemeinsam. Dennoch wurde der Ort die Wiege ihres späteren Ruhms.

Bis in das 16. Jahrhundert erschienen die Bismarcks auf Burgstall als typische Vertreter des (alt)märkischen Landadels und lebten abseits der großen Politik, bis zum dem Tag, als der Kurprinz von Brandenburg die Idylle ihres Landlebens störte.

Im Jahr 1562 musste die Familie das Schloss Burgstall verlassen und durfte im Tausch das Gut Schönhausen in Besitz nehmen. Heute kann nur noch erahnt werden, wie es in Burgstall, das dann königliches Amt wurde, weiterging. Von der mittelalterlichen Burg ist nichts als ein lindenumstandener Hügel geblieben, das Schloss verfiel in den darauffolgenden Jahren.

Doch Mauerreste, die an vielen Stellen noch immer zu finden sind und ein Turmfundament künden auch heute noch von der glorreichen Zeit. Auf der Bismarckroute lässt sich der Ort erkunden, der noch immer durch seine Lage und seine Ursprünglichkeit die Einheimischen und Touristen bezaubert.

In die Ritterzeit versetzt glaubt sich so mancher Besucher auch in Letzlingen, auf der anderen Seite der Heide. Doch das dortige Schloss ist ein „Neubau“ aus der Kaiserzeit. Auch Wilhelm II. war von der Jagdleidenschaft ergriffen und schoss in der Heide manch kapitalen Bock. Er ließ die „Hirschburg“ in der heutigen Form im englischen Tudor-Stil errichten. Die Geschichte dieses Jagdschlosses reicht aber bis in das 16. Jahrhundert zurück. Mit ihm setzten die Brandenburger Landesherren den Bismarcks auf Burg Burgstall klare Grenzen, denn die neuadlige Familie störte deren Jagdleidenschaft. Fortan wurden die bismarckschen Rechte immer weiter eingeschränkt, bis es schließlich zum Permutationsvertrag, also dem Tauschvertrag von 1562 und zum letztendlich erzwungenen Gütertausch kam.

Verträge werden in Letzlingen auch heute noch geschlossen. Das Schloss, das nun unter anderem ein Hotel und ein Restaurant beherbergt, bietet dafür nicht nur Konferenzzimmer. „Im wohl schönsten Standesamt der Altmark, im früheren kaiserlichen Speisesaal, kann man den Bund fürs Leben schließen. Die neue Kirche sowie das Kavalier- und das Kastellanhaus vervollständigen das beeindruckende Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert. Eine ständige Ausstellung informiert über das Schloss und die Jagd in der Letzlinger Heide“, schwärmt Mandy Hodum, Geschäftsführerin Tourismusverband Altmark vom ehemaligen Domizil des Kaisers.

Von Berit Wagner

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