Wittenberger Kulturhaus-Retter stellt seine Erfahrungen in Tangerhütte vor / Keine Fragen im Gremium

Böse: Kulturhaus läuft „hart an der Grenze“

+
Im März gab es eine Beratung zur Zukunft des Kulturhauses. Es entstand eine Initiativgruppe.

kah Tangerhütte. Eine gute Portion Hoffnung auf den Rat von Hans-Joachim Böse hegt die neu gegründete Initiativgruppe Kulturhaus in Tangerhütte. Er hatte nach der Wende das Kulturhaus in Wittenberge geleitet und wettbewerbsfähig gemacht.

Die Tangerhütter Gruppe um Marcus Graubner (CDU) erhofft sich Anregungen von Böse für das eigene Problem: Das sanierungsbedürftige und derzeit unrentable eigene Kulturhaus. Nun hat Hans-Joachim Böse sich im politischen Gremium vorgestellt.

Hans-Joachim Böse war nun im Kulturausschuss Tangerhütte zu Gast. 

Böse gab im Kultur- und Sozialausschuss einen kurzen Überblick über seine Zeit in Wittenberge. Das Haus sei nach der Wende in einem ähnlich schlechten Zustand wie das Kulturhaus Tangerhütte gewesen. Weder war klar, wie es genutzt werden sollte, noch war es baulich voll einsatzbereit. „Es ist uns gelungen, das Haus mit Fördermitteln von 14 Millionen DM zu sanieren“, berichtete Böse. Ein Viertel davon hatte die Kommune selbst bereitgestellt.

Das Kulturhaus in der Tangerstadt werde „hart an der Grenze“ betrieben, sagte Böse, es gäbe neben der baulichen Sicherheit mehrere Probleme. „So wird es nicht weiter funktionieren“, sagte er. Er kenne nicht alle Hintergründe, räumte er ein, ihm seien „verschiedene Interessenslagen“ bekannt. Dieser Satz umreißt einen schwelenden Konflikt in der Tangerstadt: Viele Politiker halten daran fest, das Kulturhaus mit guten Förderanträgen und einem durchdachten Nutzungskonzept auf Vordermann zu bringen – auch getrieben von dem ideellen Wert des Hauses für viele Tangerhütter. Andere ordnen das Haus eher anhand kalter, nackter Zahlen ein, die ihrer Ansicht eher zeigen, dass das Haus kaum rentabel zu sanieren und zu führen ist. „Die Verwaltung muss verantwortungsvoll mit den Zahlen umgehen“, sagt auch Böse. Er machte einen Fahrplan deutlich: Es brauche eine Baubestandsanalyse, eine Machbarkeitsstudie und schließlich ein Betreiberkonzept, das zeigt, wie das Haus mindestens 15 Jahre betrieben werden kann. Und Böse warnte vor Folgekosten: Ab einer bestimmten Größe des Hauses müsse man auf das Einstellen von mehr Fachpersonal oder beispielsweise TÜV-Prüfungen gefasst sein – „sonst erschlagen einen die Folgekosten.“ Fragen an ihn hatte im Kultur- und Sozialausschuss niemand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare