Beleidigt und beschimpft

Vier Angeklagte saßen gestern mit ihren Verteitigern in Saal 218 des Stendaler Landgerichts. Volksverhetzung, Beleidigung sowei Bedrohung werden ihnen zur Last gelegt.

Tangerhütte / Stendal - Von Alexander Postolache. Bedrohung, Volksverhetzung, Beleidigung – in mehreren Fällen wurde dies gestern vier jungen Männern am Stendaler Landgericht angekreidet. Ob seiner dunklen Hautfarbe war Thomas K. aus Tangerhütte unter anderem Ziel verbaler Attacken.

Der Tangerhütter Daniel B., sein Bruder Sebastian, Chris B. und Benjamin B. standen gestern vor der Jugendkammer der Stendaler Landgerichtes. Bis zur sechsten Klasse seien sie eigentlich gut klar gekommen, in den vergangenen drei bis vier Jahren sei dies ganz und gar nicht der Fall gewesen. Das sagte Nebenkläger und Zeuge Thomas K. über erstgenannten Angeklagten aus. Nun standen die vier jungen Männer wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Androhung von Gewalt vor Gericht. Besonders die Liste der Taten, die die beiden Brüder Sebastian (22) und Daniel (19) begangen haben sollen, ist lang, wurde von der Staatsanwaltschaft vorgetragen.

Insgesamt neun Zeugen waren während der Auftaktverhandlung aufgerufen, ihre wahrheitsgemäße Aussage zu machen. Sichtlich aufgeregt war die Großmutter von Thomas K., die oftmals Augen- und Ohrenzeugin von verbalen Übergriffen auf ihren Enkel geworden sei. Ein Mitschnitt eines Notrufes, der bei der Polizei im Sommer 2009 eingegangen war, wurde abgespielt. Monika K. war darauf zu hören. Aufgeregt versuchte sie dem Polizisten am anderen Ende der Leitung die Situation vor ihrer Haustür an der Bismarckstraße in Tangerhütte zu schildern. Als laute Männerstimmen zu hören waren, brach der Polizist die Fragen zu den Personalien ab, sicherte zu, dass Kollegen kommen. Jene Männer hätten sich zunächst am Kiosk „Forellenhof“, in unmittelbarer Nähe zum Haus der Kläger, getroffen, sich dann vor der Wohnung postiert und Dinge wie „Neger“ gebrüllt. Monika K. hörte dies, sei zum offenen Fenster gegangen, sei mit „Negerf....“ beschimpft worden, rief daraufhin die Polizei. Sie habe auch gehört, wie die etwa zehn Männer gesagt haben sollen, dass diese das Haus anzünden würden, wenn eine Anzeige käme.

Doch nicht nur verbale Attacken vor der Haustür habe es gegeben. Auch sei es über einen längeren Zeitraum der Fall gewesen, dass – und dabei laut Thomas K. verstärkt Sebastian B. – in der Öffentlichkeit Worte wie „Heil Hitler“ oder „Schwarzes Schwein“ gefallen seien. Und auch den „Hitler-Gruß“ habe der 22-Jährige gezeigt, wie ein weiterer Zeuge bestätigte. Das ganze sei meist folgendermaßen abgelaufen: Wenn sich Thomas K. in der Tangerhütter Innenstadt bewegte, seien jene Angeklagte, aber auch andere der rechten Szene zugehörigen Männer, in einem Fahrzeug an ihm vorbeigefahren. Zu körperlicher Gewalt sei es allerdings nie gekommen. Auch sei seit etwa einem halben Jahr Ruhe.

Welche Strafen den vier Angeklagten, die laut Staatsanwaltschaft zum Teil seit Sommer 2007 in dieser Form auffällig wurden, drohen, werden weitere Verhandlungstage zeigen müssen.

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