Behindertenverbände wollen endlich mit Tourismusführer im Internet glänzen und Vorreiter sein

„Barrierefreie Altmark“ geht voran

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Inklusion, Demografie, Barrierefreiheit: Karl-Otto Klaus testet die fast fertigen Seiten. Marcus Graubner (l. sitzend), Dr. Jürgen Hildebrand (2.v.r.) und weitere Beteiligte sind auch neugierig.

Tangerhütte / Landkreis. „Die Toiletten sind noch immer das größte Problem. Häufig können Behinderte sie nur schwer nutzen. Ein weiteres Problem sind zum Beispiel Speisekarten, die Sehbehinderte nicht lesen können“, weiß Karl-Otto Klaus.

Gemeinsam mit Monika Buchholz hat der diplomierte Betriebswirt über die Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung (GfAuS) in Uenglingen zwischen 2008 und 2011 „Unmengen an Daten“ für das Projekt „Barrierefreies Sachsen-Anhalt“ (Basa Nord) zusammengetragen und zahlreiche Fotos gemacht. Aus einer Broschüre ist nun der Internetauftritt „Barrierefreie Altmark“ geworden. Damit ist die Region Vorreiter im Land. Der Tourismusführer richtet sich nicht allein an Menschen mit Behinderung, sondern auch an ältere Bürger, Familien mit Kinderwagen, ja alle, die das Thema betrifft und interessiert. Einige Hundert Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten und andere Objekte sind verzeichnet und bewertet. Nach einigem Hin und Her sehen sich der Allgemeine Behindertenverband Stendal und Umgebung sowie der Allgemeine Behindertenverband in Sachsen-Anhalt (ABiSA) mit Sitz in Schönebeck/Elbe kurz vor dem Ziel. In annähernd zwei Wochen sollen die Seiten vollendet und nutzbar sein, hat Toni Becker, ein professioneller Webgestalter aus Stendal, am Freitagnachmittag beim Treffen in Tangerhütte versprochen.

„Wir wollten keinen x-beliebigen Tourismusführer für behinderte Menschen schaffen, sondern eben einen besonderen. Seine Vorteile lägen auf der Hand: Es ist relativ problemlos zu erweitern und hat dank des Internets eine weltweite Verbreitung“, erklärt Dr. Jürgen Hildebrand, der Vorsitzende des annähernd 1 000 Mitglieder zählenden ABiSA. Das Projekt sei natürlich auch ein durchaus wichtiger Baustein der Inklusion, der selbstverständlichen Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben. Der Tourismusverband Altmark gehört zu den Partnern. „Wir wollen die Präsenz auch mithilfe der Partner so aktuell wie möglich gestalten.“ Die Initiatoren hoffen, dass sich das Projekt fortführen lässt. Der Klädener Klaus hat sich bereits grundsätzlich dazu bereit erklärt, die Angaben auf dem neuesten Stand zu halten – ehrenamtlich.

Für Marcus Graubner, den amtierenden Vorsitzenden des ostaltmärkischen Verbandes, der momentan knapp 50 Mitglieder zählt, ist das Projekt eine echte Herzensangelegenheit. Nach der ersten Phase drohte den Beteiligten die Puste auszugehen. „Doch drei Jahre durften nicht umsonst gewesen sein.“ Der Kreis-Sozialausschuss half aus der Patsche und hatte maximal 3 000 Euro zur Verfügung gestellt. „Die Förderung wird Früchte tragen. Darauf dürfen alle, die daran beteiligt waren und sind, stolz sein“, konstatiert der Tangerhütter. Wenn der Touristenführer www.baltmark.de freigeschaltet ist, geht es an die Verbindung mit anderen Portalen. Schon 2020 könnte der Anteil „mobilitätseingeschränkter Gäste“ bei 30 Prozent liegen.

Von Marco Hertzfeld

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