Gefährliche Körperverletzung: Berufung schmettert im Landgericht ab

„Der Alkohol war schuld“

+
Der Angeklagte (links) zeigte sich weitgehend geständig.

Tangerhütte. Eine fatale Verwechslung endete für einen 17-Jährigen im September 2017 mit einer Schädelprellung. Bereits zu Beginn des Jahres musste sich der dafür Verantwortliche, ein junger Mann aus Tangerhütte, vor dem Amtsgericht Stendal verantworten.

Dabei war der Geschädigte als Nebenkläger aufgetreten. Damals hatte die Kammer eine sechsmonatige Freiheitsstrafe für angemessen gehalten, denn der Angeklagte ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, und diese zur Bewährung ausgesetzt.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts war der Tangerhütter gemeinsam mit seinem Verteidiger in Berufung gegangen – ohne Erfolg: Am Landgericht wurde die Berufung am Dienstag abgelehnt. Jedoch nicht, ohne den Tathergang noch einmal aufzurollen.

Nachdem der Angeklagte an besagtem Tag eine Menge Alkohol konsumiert hatte – es dürften wohl etwa 10 Flaschen Bier und 10 Gläser Schnaps gewesen sein – geriet er mit einer Gruppe Jugendlicher in einen Streit. Dabei, so gab es der Angeklagte an, habe man ihm eine Flasche über den Kopf gezogen. Nachdem er sich gesammelt hatte, begab er sich – im Gepäck eine lange Holzschraube – auf die Suche nach dem Übeltäter. Doch statt diesem fand er den 17-jährigen und später geschädigten Jungen vor, der jedoch nicht in den vorhergegangenen Streit verwickelt war. „Ohne Vorwarnung schlug er dem Geschädigten mit der Holzschraube zweimal gegen den Kopf“, führte der Vorsitzende Richter am Landgericht Gundolf Rüge aus. Dann habe sich der alkoholisierte Angeklagte aus dem Staub gemacht – wohlwissend, dass er wegen eines Drogendeliktes bereits auf Bewährung war. „Der Alkohol war schuld, dass ich mich nicht im Griff hatte“, rechtfertigte sich der Tangerhütter am Dienstag. Im Beisein des Richters entschuldigte er sich bei dem Nebenkläger – „rein taktisch“, bewertete der Anwalt des Nebenklägers diesen Schritt.

Obwohl der Angeklagte als „Bewährungsversager“ gilt, wurde die Freiheitsstrafe von sechs Monaten erneut zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem ordnete die Kammer eine Alkohol-Entzugstherapie an. Dem Geschädigten muss der Tangerhütter nun 700 Euro Entschädigung zahlen. Da hilft auch keine Entschuldigung.

Von Charlotta Spöring

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare