Zwischen lachen und weinen

Louise (Susanne Kreckel) liest einen Brief, den ihr Mama aus dem Krankenhaus geschrieben hat. Bald werde es ihr besser gehen. Foto: Pusch

Stendal. Nicht das Große Haus war gestern Spielort für die Premiere des Theaters der Altmark, nicht das Rangfoyer, sondern ein Klassenzimmer der Bilingualen Grundschule. Gespannt saßen die Jungen und Mädchen im Kreis, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde. Herein kam Louise (Susanne Kreckel), die ihren Geburtstag feierte. Und das sei schließlich ein Grund zum Fröhlichsein.

Doch fröhlich blieb es nicht lange. Louise hatte nämlich eine traurige Geschichte zu erzählen. Die von ihrer Mama. Sie war gestorben, an Krebs. Alles hatte mit einem Knoten in der Brust angefangen. „Ich wusste gar nicht, was das sein sollte und dachte erst an einen Wollknoten“, gestand Louise. In ihrem Kinderlexikon habe sie nichts zu dem Thema gefunden, da stand nur was zum Tier, das Krebs heißt.

Kreckel zog das Publikum in ihren Bann, balancierte zwischen Traurigsein, etwa, wenn sie erzählte, dass Mama nach einem Krankenhausaufenthalt wieder Krebs bekam, und Ausgelassenheit, wenn sie beispielsweise mit Sonnenbrille zum Lied tanzte, das ihr Onkel Jan für sie geschrieben hatte.

Schließlich wurde über den Tod gesprochen, das Thema, wovor sie am meisten Angst gehabt hatte. Doch nun wusste sie, dass es an der Zeit war, Abschied zu nehmen. „Ich werde ein Stern sein“, hatte ihre Mama ihr gesagt. Denn mit dem Leben sei es so wie mit einer Kerzenflamme, wenn man sie ausbläst, steigt der Rauch nach oben.

Mucksmäuschenstill waren die Grundschüler gewesen, erst am Ende des Stückes wurde es laut im Klassenzimmer, als der Applaus für die souveräne Soloschauspielerin gespendet wurde.

Eines schweren Themas, das schon Erwachsenen nicht leicht fällt, hat sich das Theater der Altmark mit dem neuen Klassenzimmerstück angenommen. Abschiednehmen und Tod für Kinder aufzubereiten, ist aber eine noch größere Aufgabe. Mit der Inszenierung von Oliver Bierschenk nach dem Kinderbuch „Ein Stern namens Mama“ wurde sie offenbar erfolgreich gelöst. Und die Bilinguale Grundschule hat Mut bewiesen, dieses Stück zu zeigen. Lehrer oder Schulleiter, die sich für eine Aufführung von „Ein Stern namens Mama“ im Klassenzimmer interessieren, werden gebeten, sich an die TdA-Schulreferentin Susanne Roske unter (03931) 63 57 21 zu wenden.

Von Thomas Pusch

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