„Das volle Programm außer Heroin“

Zwei Männer sollen Zechkumpanen unter Drogen und Alkohol misshandelt haben

+
Um schwere Körperverletzung ging es gestern am Stendaler Landgericht.

Stendal / Gardelegen. Schläge in das Gesicht, auf der Haut ausgedrückte Zigaretten sowie Peitschenhiebe mit Kopfhörerkabeln und Verbrennungen mit geschmolzenem Plastik – was wie eine Szene aus einem Film wirkt, soll sich im Sommer letzten Jahres in einer Gardelegener Wohnung abgespielt haben.

Die Angeklagten, der 27-jährige K. und der 23-jährige M. , müssen sich seit gestern wegen schwerer Körperverletzung vor dem Stendaler Landgericht verantworten. „Man kloppt sich öfter mal unter Freunden. Das ist doch normal“, erklärte K. die Tatumstände und fügte in Richtung des Opfers hinzu: „Wenn es danach geht, müsste ich dich auch anzeigen. “ Der 36-jährige Geschädigte hatte nach mehreren Vorfällen dieser Art Anzeige erstattet.

Aus dem Gericht

K. erklärte, er habe am Tattag Alkohol und Amphetamine „in vollem Maße“ konsumiert. Den ersten Vollrausch habe der 27-Jährige mit zwölf Jahren erlebt, drogentechnisch kenne er „das volle Programm außer Heroin.“ Nach anfänglichen Ohrfeigen und „Firmenstempeln“, wie er auf der Haut ausgedrückte Zigaretten bezeichnete, habe er das Opfer auf einer Art Hocker gefesselt. Dann soll er dem 36-Jährigen nach eigenen Angaben Kerzenwachs auf die Handkanten und Oberschenkel gegossen haben. Sein Opfer hätte aus dieser Position aufstehen können, habe sich aber nicht weiter zur Wehr gesetzt.

Der zweite Angeklagte M. äußerte sich gestern nicht zu den Vorwürfen. „Herr M. hat dicht in der Ecke gelegen“, so der 27-Jährige auf die Nachfrage des Vorsitzenden Richters Ulrich Galler, was sein Zechkumpan in der Tatzeit gemacht hat.

Das Opfer G. räumte ein, dass ein solches Verhalten bis zu einem gewissen Grad ein „Kräftemessen“ gewesen sei. „Das war immer einvernehmlich“, so der 36-Jährige, der am Tattag ebenfalls unter dem Einfluss von Amphetaminen stand, jedoch auf Alkohol verzichtet haben will. Er sei sich zudem sicher, dass die Brandwunden nicht von einer Kerze, sondern von einem geschmolzenen Lutscherstiel stammen.

Dass der Geschädigte G. nicht zum ersten Mal der Leidtragende eines solchen Zusammentreffens war, bestätigte eine 34-jährige Zeugin. „Er war übel zugerichtet. Der hatte öfters mal Wunden von irgendwelchen Leuten“, so die Bekannte des Opfers. Der Prozess wird am Montag, 9. November fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare