Landkreis wird von Fachstelle „Vera“ unterstützt

Frauen flüchten aus Angst vor Demütigung: Zwangsheirat ist keine Seltenheit

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Viele Frauen wehren sich gegen eine Zwangsverheiratung, indem sie Beratungsstellen aufsuchen oder aus Angst vor der so genannten Familienehre in Frauenhäuser flüchten. Die Opfer stammen nicht nur aus arabischen Ländern.

Stendal. Dass Töchter und Frauen im Namen der sogenannten Familienehre gedemütigt, geschlagen, eingesperrt und in die Ehe gezwungen werden, ist auch in der Hansestadt keine Seltenheit.

„Einige Mädchen werden mit Männern verheiratet, obwohl sie das nicht wollen“, sagt Birgit Hartmann, Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte sowie Mitarbeiterin im Netzwerk für Migranten, „und viele Frauen wehren sich. “.

Um nicht die Kontrolle über die Problematik zu verlieren, arbeitet Hartmann mit der Fachstelle „Vera“ des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt in Magdeburg zusammen. „Wir können das nicht alleine deckeln“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte, „die Fachstelle gibt uns rechtliche Informationen und zeigt uns auf, wie schlimm die Situation ist.“

Betroffene Mädchen oder Frauen würden zunächst bei Schulsozialarbeitern oder Beratungsstellen Hilfe suchen. „Die schlagen dann auch viel in Frauenhäusern auf“, weiß Hartmann, „das sind ganz mutige Frauen.“ Teilweise müssten die Gewaltopfer in geheime Schutzhäuser verbracht werden, um sie vor Verwandten und anderen Menschen mit traditionell-patriarchalischen Wertevorstellungen zu schützen. „Zwangsverheiratungen sind nicht immer eine Glaubensfrage“, sagt Birgit Hartmann. Auch in nicht-arabischen Ländern wie Brasilien oder afrikanischen Staaten gebe es Fälle von Zwangsverheiratungen und Zwangsprostitution. Auch um Letzteres kümmert sich Fachstelle und Kooperationspartner „Vera“.

Weiterhin warnt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises davor, Zwangsverheiratungen mit Leid und Gewalt gleichzusetzen. „Es gibt jede Menge Frauen, die sagen, dass es in ihrer Kultur eben so ist.“ Nicht alle Frauen würden darunter leiden oder in diesem Zusammenhang Gewalt erfahren. So manche Frau könne sich gut mit derartigen Wertevorstellungen identifizieren. „Es werden auch nicht alle Frauen aus diesen Kulturen zwangsverheiratet“, stellt die Landkreis-Mitarbeiterin klar.

Birgit Hartmann kann sich bei ihrer Arbeit auf helfende Hände verlassen. „Wir haben hier ein richtig tolles Netzwerk“, sagt sie und bezieht sich auf die Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Familie, Projektgruppen und Arbeitskreisen. „Alleine könnte ich das nicht bewerkstelligen“, ist sich Hartmann sicher. „Wir haben einen ganz tollen Kreis geschaffen und auch schon Einiges erreicht. Neben der ehrbezogenen Gewalt kümmert sich Hartmann insbesondere um die Integration von Migranten und Chancengleichheit von Alleinerziehenden.

Von Mike Höpfner

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