„Zufallsopfer groben Unfugs“

Brücke in Stendal lebensgefährlich: Polizei sucht Täter im Drahtsperr-Fall

Eine Aufnahme vom Tatort. Die gezogene Stahlfeder auf der anderen Seite ist darauf kaum zu erkennen. Der Radler hat sie in der Höhe nicht wahrgenommen. Fotos: polizei
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Eine Aufnahme vom Tatort. Die gezogene Stahlfeder auf der anderen Seite ist darauf kaum zu erkennen. Der Radler hat sie in der Höhe nicht wahrgenommen.

Stendal – Was alles hätte passieren können, will sich wohl niemand wirklich bis zum Schluss und allzu blutig ausmalen. Der Radfahrer hätte stürzen und sich schwer verletzen können oder noch schlimmer.

Im Fall eines an einer Stadtsee-Brücke gespannten Federdrahtes sucht die Stendaler Polizei nach wie vor nach dem Täter. „Hinweise oder Anhaltspunkte gibt es nicht“, informiert Sprecherin Tanja Köhnke in dieser Woche auf Nachfrage der AZ. Die Ordnungsbehörden verstehen in dieser Sache überhaupt keinen Spaß, es droht eine mehrjährige Haft oder Geldstrafe. Zur besseren Erinnerung: Ein 21-Jähriger hatte beim Passieren der Überführung am 8. Juli zur Mittagszeit plötzlich einen Schmerz an der Hand gespürt und sich vermutlich allein wegen seiner guten Reaktion nur leicht verletzt.

Mit diesem Draht ist die Brücke lebensgefährlich für Menschen versperrt worden. Die Stendaler Kriminalpolizei hat die Beweise gesichert, die Ermittlungen laufen.

Ob es sich um einen Dummejungenstreich handelt oder nicht, dürfte für die Ermittler erst einmal nebensächlich sein. Eine gezielte Attacke schließt die Polizei momentan aus. „Der Geschädigte sowie sein Begleiter gaben an, dass sie Zufallsopfer eines groben Unfugs geworden sind. Auch der Stand der Ermittlungen lässt nicht darauf schließen, dass die Tat dem Geschädigten persönlich galt“, erläutert die Polizeihauptkommissarin. Verwendet wurde eine Feder ähnlich einer Bettfeder, nur viel dünner, und kein Drahtseil, wie zunächst aus dem Polizeirevier am Uchtewall gemeldet. Der Federstahl ist etwa einen Millimeter stark und wurde auseinandergezogen. Die Feder erreichte dadurch eine beachtliche Länge von etwa drei Metern, das Material behielt sogar noch einigermaßen seine Spiralform bei.

„Solche Hindernisse lassen sich schwer erkennen und glücklicherweise kam es hier nicht zu schweren Verletzungen.“ Wo eine solche Feder normalerweise Verwendung finden könnte, sei unbekannt. Der Federdraht wurde an den Sprossen der Brückengeländer in einer Höhe von knapp einem Meter befestigt und versperrte den Radweg in der gesamten Breite. Der Radweg verläuft parallel zur Uchte, in dem Gebiet gibt es einige Brücken. Der Tatort sei untersucht, die Umgebung geprüft. Ähnliche Vorfälle aus der Vergangenheit im Landkreis Stendal seien nicht bekannt. Von Drahtfallen an Brücken und Bäumen wird bundesweit immer wieder einmal berichtet. Ein Draht an einer Brücke wurde Anfang Juli im Landkreis Schaumburg gefunden, die Polizei ermittelt laut Medienberichten auch dort.

Bei einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr wie auch bei dem Stendaler Fall drohen dem Verursacher bis zu fünf Jahre Haft oder eine empfindliche Geldstrafe. Schon der Versuch sei strafbar. „Das Strafmaß kann sich noch steigern, wenn Leib und Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden.“ Auch Punkte in Flensburg oder Fahrverbote seien möglich. Polizeisprecherin Köhnke hat auf AZ-Nachfrage auch noch einen grundsätzlichen Rat nicht allein für Radler parat: „Letztendlich kann nur immer wieder gesagt werden, dass man sich mit offenen Augen im Straßenverkehr bewegen sollte und Ablenkungen wie Handy, Diskussionen oder Sightseeing beim Radeln vermeiden sollte.“ Wobei das Handy auch beim Radfahren ja sowieso tabu sei. VON MARCO HERTZFELD 

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