Stifter will mittelalterliche Stadtbefestigung aus Dornröschenschlaf holen

Zündende Idee für Stendaler Pulverturm

Der Pulverturm könnte auch noch anders in Szene gesetzt werden. Wenn auch gerade.
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Der Pulverturm könnte auch noch anders in Szene gesetzt werden. Wenn auch gerade.

Stendal – Es gibt sie in allen Himmelsrichtungen und sie schlägt sich in den neuzeitliche Straßennamen Nord-, Ost-, Süd- und Westwall nieder. Selbst Einheimische denken da oftmals an reine Autostrecken und vernachlässigen die eigentliche mittelalterliche Stadtbefestigung.

Prof. Hans-Jürgen Kaschade, Ehrenbürger und Stifter

Prof. Hans-Jürgen Kaschade möchte die Wälle stärker ins Rampenlicht rücken und zielt dabei nicht zuletzt auf Touristen ab. „Wir haben keine Stadtmauer in Größenordnung mehr wie Tangermünde. Das niedersächsische Hameln hat sich ein beachtliches Stück neu errichtet, aber ob wir das machen sollten, ich weiß es nicht. “ Kaschade, seit 2017 Ehrenbürger in Stendal, sucht noch nach der zündenden Idee. Die Kaschade-Stiftung könnte finanziell ins Boot kommen.

Ehrenbürger schiebt Wallanlage in Fokus

Führungen mit dauerhaft eingerichteten und speziell ausgestatteten Stationen könnten erlebbar machen, wie umfassend die mittelalterliche Stadtbefestigung einmal war. Im Gespräch mit der AZ entstehen erste Ideen, recht unausgegoren, aber immerhin: Tastmodelle, wie es eines am Winckelmannplatz gibt, große Tafeln mit Stendalern in Kleidung von einst, vielleicht ja auch da und dort nachempfundene Gerätschaften aus alter Zeit. Kaschade, Gründungsrektor der Hochschule in Stendal und einige Jahre auch Geschäftsführer des Existenzgründerzentrums BIC, will und kann noch nicht von einem runden Projekt sprechen, es brauche Zeit und vielleicht ja auch Anregungen der Stendaler. „Ich bin für vieles offen.“

Rathaussprecher zeigt sich offen

Mit seiner Initiative stößt der 79-Jährige im Rathaus nicht auf taube Ohren, im Gegenteil. „Die Wälle spielen im Tourismuskonzept bisher keine große Rolle, da sie bislang noch keine sinnvolle Anbindung boten“, teilt Sprecher Armin Fischbach mit. Durch den neuen Caravan-Stellplatz auf dem Schützenplatz könnte Bewegung ins Konzept kommen. „Insbesondere der Nordwall und der Ostwall könnten künftig interessant werden.“ Schon jetzt seien die Wälle schön hergerichtet und lüden Einheimische wie Gäste zum Spazieren und Verweilen ein, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters weiter. Die Hansestadt begrüße jedes Projekt, das Erhalt, Pflege und Präsentation der Wallanlagen zum Ziel habe.

Der Westwall gehört schon jetzt zu den beliebtesten Spazierstrecken.

Wie stark die alten Grenzen der Stadt im Straßenbild bereits wahrzunehmen sind, darüber lässt sich diskutieren. „Die Authentizität unserer Wallanlagen als mittelalterliche Stadtbefestigung ist insbesondere in der Wahrnehmung der erhaltenen beiden Stadttore und des Pulverturms begründet. Diese fügen sich authentisch in den Wallverlauf ein. Des Weiteren ist noch ein Stück Stadtmauer zwischen dem Uenglinger Tor und der Wendstraße erkennbar“, erläutert Fischbach. Der Rest der alten Befestigung erstreckt sich als unbebaute und begrünte Wallanlage in den Bereichen zwischen Tangermünder Tor bis hin zum Uenglinger Tor und weiter bis zu Wendstraße, Schützenplatz, Bismarckstraße und entlang des Ostwalls bis zur Bruchstraße. Die Wallkronen sind mit Großbäumen eingefasst.

Fördermittel bislang nur für Reparatur

„Die Wallanlage trennt den Altstadtkern von den später entstandenen Bebauungsgebieten ab, was gerade am Südwall und Ostwall bis zur Bruchstraße noch heute gut erkennbar ist.“ All das verstärkt in Szene zu setzen, die Stadt versperrt sich dem nicht. Kaschades Projekt muss erst Fahrt aufnehmen, die Initiative ist für die Fachämter neu, bauliche Überlegungen für die Wälle wurden bislang nur begrenzt vorgenommen. Allerdings werden aktuell Fördergelder beantragt, um kleinere Sanierungs- und Reparaturarbeiten erledigen zu können. Der genaue Umfang lässt sich laut Fischbach noch nicht beziffern. Ein richtiges Projekt der Kaschade-Stiftung könnte die Pläne der Stadt wachsen lassen.

VON MARCO HERTZFELD

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